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Was ist Crowdinvesting? Definition, Funktion & Einordnung

Lesedauer: 12 Minuten

Veröffentlicht am 28. Juni 2021
Crowdinvesting ist eine Form des Crowdfundings, bei der sich viele Anleger:innen finanziell oder wirtschaftlich an einem Projekt beteiligen.  Der Renditeaspekt spielt eine wesentliche Rolle. Während für Anleger:innen attraktive Renditen winken, können Unternehmen Crowdinvesting zur Finanzierung einsetzen. Im Folgenden erfahren Sie alles Wichtige zu diesem Thema.   

Startups, Projektentwickler, kleine und mittelständische Unternehmen: Sie alle haben Kapitalbedarf.  Dieser lässt sich nicht immer mithilfe von Krediten decken. Viele Unternehmen sind deshalb auf der Suche nach alternativen Finanzierungsmöglichkeiten, die unabhängig von Banken sind.

Gleichzeitig suchen Anlegerinnen und Anleger in Zeiten von dauerhaft niedrigen Zinsen nach einer Vermögensanlage, in die sie ihr Geld investieren können und die attraktive Zinsen bereithalten.

Crowdinvesting für Anleger und Unternehmen

Crowdinvesting bedient die Bedürfnisse beider Seiten. Dabei kommen viele Privatanleger („Crowd“) über eine Online-Plattform oder eine Website zusammen und investieren („invest“) kleine Geldbeträge in Unternehmen und Projekte. Crowdinvesting, im Englischen equity-based Crowdfunding genannt, ist moderne Art der Geldanlage aus dem Bereich der alternativen Finanzinstrumente. Es handelt sich dabei um eine Unterart von Crowdfunding (Schwarmfinanzierung), allerdings mit direkter Gewinnbeteiligung.

Anlegerinnen und Anleger erhalten für ihr Investment meist eine Rendite in Form von Zinsen. Sie erhalten die Möglichkeit sich bereits mit kleinen Geldsummen (ab 100 Euro) an Vermögensanlagen zu beteiligen. Unternehmen können mit dem Kapital der Crowd Projekte alleine realisieren oder das Kapital als Teil ihrer Finanzierungsstruktur einsetzen.

In diesem Beitrag erhalten Sie alle relevanten Informationen zum Thema Crowdinvesting.

Was ist Crowdinvesting?

Beim Crowdinvesting sammeln Unternehmen Kapital über das Internet bei Privatanlegern ein. Das geschieht üblicherweise auf einer Online-Plattform. Anlegerinnen und Anleger werden finanziell am wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens  beteiligt. Der Rendite-Aspekt spielt eine wichtige Rolle.

Ist das Projekt abgeschlossen, bekommen die Investoren ihr Kapital zurück, plus eines vorab festgelegten Zinssatzes über eine bestimmte Laufzeit. Investoren können aber auch direkt am Unternehmensgewinn beteiligt werden. Das Besondere: Jeder kann partizipieren, denn Anleger können bereits mit geringen Beträgen ab 100 Euro in Unternehmen oder Projekte investieren. Das macht diese Investing Form zu einer demokratischen Geldanlage. Es ist auch eine transparente Geldanlage, bei der Plattformen Vertrauen gegenüber ihren Anlegern schaffen müssen. 

Zentrale Aspekte sind also:

  • geringe finanzielle Einstiegshürden
  • Beteiligung vieler Einzelinvestoren
  • Abwicklung über eine digitale Plattform
  • wirtschaftliche Beteiligung in Form einer Rendite

Barack Obama (2011)

Ehemaliger US-Präsident

”Right now entrepreneurs are already using crowdfunding to raise hundreds of thousands of dollars in pure donations – imagine the possibilities if these small-dollar donors became investors with a stake in the venture.”

Wie funktioniert Crowdinvesting?

Für Anleger

Um in ein Projekt oder in ein Unternehmen zu investieren, können Anleger:innen online nach einem bestimmten-Projekt eines Unternehmens oder einer Crowdinvesting-Plattform und den dort gelisteten Investitionsangeboten suchen. Die Plattform tritt als Vermittler auf und bietet eine Vorauswahl an Projekten.

Je nachdem, welcher Branchenschwerpunkt gesetzt wird, finden Investor:innen dort z. B. Projekte und Unternehmen aus der ImmobilienbrancheStart-ups oder Projekte aus dem Bereich erneuerbare Energien. Nachdem ein Anleger das passende Projekt ausgewählt hat, kann er sein Kapital investieren. Ist das Funding erfolgreich, dann erhalten die Anleger eine Rendite. Sie wird in den meisten Fällen endfällig zurückbezahlt.

Für Unternehmen (Emittenten)

Wie sieht der Weg für Unternehmen aus? Vorab ist die wichtigste Voraussetzung, dass Unternehmen in einer Kapitalgesellschaft firmiert sind und auf ein bestehendes Netzwerk zurückgreifen können. Außerdem müssen sich Unternehmen entscheiden, ob Sie ein Crowdinvesting-Projekt über eine Plattform oder in Eigenregie durchführen. Beides hat Vorteile und Risiken.

Bei den meisten Projekten wird vorab eine Summe festgelegt, die mindestens eingesammelt werden muss. Wird diese nicht erreicht, dann kommt auch keine Investition zustande. Bis dahin eingesammeltes Kapital wird in vielen Fällen von einem Treuhänder verwaltet. Erreicht das Projekt die Mindestsumme nicht, wird das Kapital an die Anleger zurückerstattet. Die Schwarmfinanzierung war somit nicht erfolgreich.

Ist ein Funding erfolgreich, erhält das Unternehmen das Kapital zumeist in Form von Mezzanine-Kapital. Dieses ist ein Finanzinstrument, das rechtliche und wirtschaftliche Merkmale sowohl von Eigen- als auch Fremdkapital aufweist. Mezzanine-Kapital wird üblicherweise vorrangig gegenüber „echtem“ Eigenkapital, jedoch nachrangig zu „echtem“ Fremdkapital befriedigt.

Dabei wird einem Unternehmen wirtschaftliches oder bilanzielles Eigenkapital zugeführt, ohne den Kapitalgebern oder Gesellschaftern Stimm- oder Einflussrechte zu gewähren. Mezzanin-Finanzierungen werden mittlerweile von vielen Unternehmen als Finanzinstrument genutzt, gerade in Krisenzeiten.

Doch nicht nur Unternehmen nutzen Schwarmfinanzierung, um Kapital aufzunehmen. Auch professionelle Finanzdienstleister haben das Potenzial von Crowdfinanzierungen erkannt. So bieten die GLS Bank, die VR Bank Würzburg und die DKB Bank Crowdinvesting-Projekte auf eigenen Plattformen ihren Kunden an. Mit solchen Plattformen schaffen sich Banken ein neues digitales Geschäftsmodell, das losgelöst vom eigentlichen Kernbankengeschäft agiert.

Ein Crowdinvesting hat für Banken zwei Vorteile: Ihren Privatkunden können Banken eine neue Vermögensanlage anbieten. Ihren Geschäftskunden hingegen eine Möglichkeit, Kapital aufzunehmen, falls diese für einen Kredit nicht in Frage kommen.

Was sind Vorteile von Crowdinvesting?

Für Anleger

  • Können in Projekte investieren, hinter denen sie stehen
  • Geringe finanzielle Einstiegshürden schon ab 100 Euro
  • Es steht prinzipiell jedem offen
  • Attraktive Rendite  zwischen 4 und 8 %
  • große Projektauswahl aus den unterschiedlichsten Bereichen mit verschiedenen Schwerpunkten
  • gezielte Suche nach Projekte, die wirklich zum Anleger passen
  • Anleger können direkt mit Unternehmen in Kontakt treten und Rückfragen stellen
  • Hohe Transparenz- und Informationspflicht seitens der Emittenten
  • Anleger können sich mit Projekten identifizieren

Wie sollten Anleger bei Crowdinvesting-Projekten am besten vorgehen? Ein regelmäßiger Crowdinvestor berichtet von seinen Erfahrungen und gibt Tipps aus der Praxis.

Für Unternehmen

Für Unternehmen ergeben sich eine ganze Bandbreite an Vorteilen

Was sind die Risiken?

Doch bei allen Vorteilen, die Crowdinvesting bietet, sollte – wie bei jeder Geldanlage – auch das Risiko berücksichtigt werden. Für Anleger:innen sind die Risiken unterschiedlich, je nach Art des Projekts. Während die Risiko  bei einer Investition in einen Mittelständler, in erneuerbare Energien oder in Immobilien geringer ist, kann das Risiko eines Ausfalls bei Startups naturgemäß höher sein.

Für Anleger:innen

  • Totalverlust des investierten Kapitals möglich, da die Beteiligung üblicherweise in Form eines Nachrangdarlehens erfolgt
  • Scheitert ein Projekt, dann werden zuerst die Forderungen der Bank bedient und erst danach die aller anderen Investoren

Dieser Fall ist bisher allerdings äußerst selten aufgetreten. Laut dem Portal crowdinvest.de  fielen seit 2011 lediglich 1,9 % des investierten Gesamtkapitals bei Crowdinvesting-Projekten aus.

Für Unternehmen

Welche Risiken bestehen für Unternehmen?

  • Im schlimmsten Fall steht ein Unternehmen vor einem Kapitalengpass, wenn die erwartete Summe nicht eingesammelt wurde und das Unternehmen das Kapital fest eingeplant hatte
  • Eine Schwarmfinanzierung verlangt nach Öffentlichkeit. Dialogbereitschaft und Offenheit sind wichtig
  • Crowdinvesting ist eine transparente Anlageform. An- und Rückfragen aus der Crowd gehören dazu und sollten in der Regel auch beantwortet werden. Anderweitig können ansonsten Imageverluste drohen

Welche Arten von Crowdfunding gibt es noch?

Crowdinvesting ist nur eine Crowdfunding-Art. Die digitale Schwarmfinanzierung gibt es bereits seit Anfang der 2000er-Jahre. Seither haben sich noch weitere Formen entwickelt:

Spendenbasiertes Crowdfunding wird auch donation-based-Crowdfunding oder Crowddonating genannt. Es basiert auf einer Geldspende für ein Projekt. Gegenleistungen sind meist ideeller Natur, z. B. in Form einer öffentlichen Danksagung. Auf diesem Weg werden viele soziale oder gemeinnützige Projekte finanziert.

Ein Crowdfunding mit Gegenleistung wird auch reward-based-Crowdfunding genannt. Dabei erhalten die Unterstützer für ihr Kapital ein „Dankeschön“. Das kann z. B. das mit dem Kapital entwickelte Produkt sein. Als Test für das Marktpotenzial eines Produkts eignet sich diese Form des Crowdfundings ideal.

Kreditbasiertes Crowdfunding wird auch Crowdlending genannt. Dabei machen Unternehmen, die Kapital benötigen, Anlegerinnen und Anlegern über eine Plattform ein Angebot. Anleger überweisen das Geld an die beauftragte Bank, die das gesammelte Kapital wiederum als Kredit an das Unternehmen weitergeben. Nun verkauft die Bank die Forderung, die sie an das Unternehmen hat, an die Anleger.

Die rechtlichen Rahmenbedingungen

Crowdinvesting und allgemein Schwarmfinanzierungen sind im Kleinanlegerschutzgesetz (KASG)  geregelt. Das  KASG ist im Vermögensanlagegesetz (VermAnlG) verankert.  Das Kleinanlegerschutzgesetz wurde als Reaktion auf die Regulierung des Grauen Kapitalmarkts eingeführt. Es trat 2015 in Kraft und wurde 2019 erweitert und evaluiert. Es besagt nun:

  • Unternehmen dürfen bis zu 6 Mio. Euro  prospektfrei pro Jahr einsammeln
  • Privatanlegerinnen und -anleger und dürfen maximal 25.000 Euro pro Emission investieren
  • Genussrechte sind als Finanzinstrument erlaubt
  • Unternehmen müssen der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) die Beendigung des Angebots und die vollständige Tilgung der Vermögensanlage  unverzüglich schriftlich oder elektronisch mitteilen

Was bedeutet diese Änderungen für die Branche? Dr. Ferdinand Unzicker, Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht, fasst es in seinem Kommentar „Änderungen des KASG – wohin führt die Reise der Crowd?“ zusammen.

Des Weiteren äußern sich Akteure aus der Crowdinvesting-Branche zum 5-Jährigen Jubiläum des Kleinanlegerschutzgesetzes in diesem Jahr.

Die Evaluierung des Kleinanlegerschutzgesetzes war jedoch nicht die einzige gesetzliche Änderung, die Finanzprodukte in diesem Jahr betrafen. Ende Juli trat die neue EU-Prospektverordnung vollumfänglich in Kraft. Die maßgeblichen Ziele der Verordnung sind:

  • die Stärkung des Verbraucher- und Anlegerschutzes
  • eine Harmonisierung des Wertpapierprospektrechts
  • ein erleichterter Kapitalzugang für KMU

Der Crowdinvesting-Markt in Deutschland

Der deutsche Crowdinvesting-Markt hat sich in den vergangenen Jahren enorm weiterentwickelt und ist seit 2011 kontinuierlich im dreistelligen Bereich gewachsen.  Das zeigt: Verbraucher greifen zunehmend auf digitale Finanzprodukte zurück. Von 2011 bis 2019 haben Crowdinvestoren 1,1 Milliarden Euro über Plattformen investiert.  Dabei hat die Branche insbesondere in den vergangenen beiden Jahren einen großen Sprung nach vorne gemacht, wie der Crowdinvest Marktreport Deutschland 2019 zeigt.

Wobei vor allem der Immobilienbereich als Zugpferd fungiert und einen Marktanteil von 70,9 % hat. 2018 konnten mittels Schwarmfinanzierung bereits 3342 Wohneinheiten gebaut werden. Dort gibt es mit Exporo, Zinsland und Bergfürst Akteure, die jenseits der Crowdinvestingbranche bekannt sind.

Der Bereich der Unternehmensfinanzierung folgt dahinter mit einem Marktanteil von 27 Prozent. Africa GreenTec zeigt beispielsweise, wie eine Finanzierung von Unternehmen erfolgreich ablaufen kann. Die alternative Finanzierungsart sorgte so dafür, dass im vergangenen Jahr 581 Unternehmen neu gegründet oder weiterentwickelt werden konnten.  Auf den Energiesektor entfallen die übrigen zwei Prozent. So konnten 123.700 Tonnen CO2 eingespart werden.

 

Auch in 2019 hat sich der deutsche Crowdinvesting-Markt weiterentwickelt. So wurden rund 422 Millionen Euro in Projekte investiert. Das entspricht einem Wachstum des Gesamtmarktes von rund 42 %. Mit 321 Millionen entfiel ein Großteil davon auf Immobilienprojekte. Auch der Bereich Energieprojekte machte einen Entwicklungssprung: Hier wurden knapp 10 Millionen Euro investiert, was einem Wachstum von 54 % im Vergleich zu 2018 entspricht.

Insgesamt sind alternative Finanzierungsformen, zu denen Crowdinvesting gehört, in Deutschland und weltweit auf dem Vormarsch. Die University of Cambridge hat in der Studie „The Global Alternative Finance Market Benchmarking Report“ den weltweiten Markt für alternative Finanzierungen in 2018 untersucht. In Deutschland stiegen alleine in diesem Jahr die  Volumen auf mehr als 1,2 Milliarden US-Dollar.

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