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Nachhaltige Geldanlage

Lesedauer: 5 Minuten

Veröffentlicht am 24. August 2020
Trend nachhaltige Geldanlage: Was sind grüne Investments? Nachhaltige Kapitalanlagen spielen eine wesentliche Rolle in der Finanzwelt von morgen. Doch die Möglichkeiten sind vielfältig: Wie investieren Anleger:innen ihr Geld so, dass es Umwelt und Gesellschaft nützt?

BlackRock verwaltet ein Vermögen von knapp 7,5 Billionen Dollar. Das ist fast das Doppelte der Wirtschaftsleistung Deutschlands. Ein Unternehmen, das so viel Kapital kontrolliert hat, Einfluss – und das Wort von Larry Fink Gewicht. Der 67-Jährige ist CEO von BlackRock.  

Fink schrieb im Januar 2020 einen Brief an die Chefs der wichtigsten Unternehmen weltweit. Darin rief er sie zu mehr Klimaschutz auf. Denn Klimarisiko sei auch ein Risiko für Anleger:innen.  

Trend in Richtung grüner Investments 

Larry Finks Aufruf folgt einem Trend: Weltweit steigen die Investitionen in nachhaltige Geldanlagen. „…das Bewusstsein ändert sich rasant, und ich bin überzeugt, dass wir vor einer fundamentalen Umgestaltung der Finanzwelt stehen“, schrieb Fink. 

Damit trifft der Kalifornier einen Nerv. Green Money, Socially Responsible Investments (SRI), ethisches Investment oder Sustainable Investment – unter dem Stichwort „nachhaltiges Investment“ tummeln sich eine Vielzahl von Begriffen.  

Zahlreiche Studien belegen, dass das investierte Volumen in Kapitalanlagen, die nachhaltigen Kriterien folgen, weltweit seit Jahren steigt. In der DACH-Region steckten Anleger:innen 2018 rund 474 Milliarden Euro in nachhaltige Geldanlagen, davon jedoch der Großteil von institutionellen Investor:innen. Privatinvestor:innen sind noch zurückhaltend.  

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Nachhaltige Geldanlagen: Was gibt es zu beachten?

Was sind nachhaltige Investitionen und Geldanlagen? Worauf sollten Anleger:innen achten und in welche Finanzprodukte können sie investieren? Das wollen wir in diesem Beitrag klären. 

Immer mehr Anleger:innen wollen ihr Geld nicht in Unternehmen investieren, die z. B. auf fossile Energieträger setzen oder in der Rüstung tätig sind. Dieses neue Bewusstsein sorgt dafür, dass der Markt für nachhaltige Kapitalanlagen stetig wächst.  

Eine nachhaltige Geldanlage ergänzt die Anlagekriterien von Rendite, Sicherheit und Verfügbarkeit um eine vierte Dimension: die Nachhaltigkeit der Kapitalverwendung. Das klassische Dreieck der Kapitalanlage wird zum magischen Viereck. 

Inzwischen gibt es unzählige Wege, Geld ethisch-ökologisch anzulegen. Es ist aber schwierig, im Gewirr der Produktauswahl den Durchblick zu behalten.  

Jeder versteht unter dem Begriff „Nachhaltigkeit“ etwas anderes. Bei Investmentfonds ist das nicht anders. Auch sie tun sich mit der Bewertung von Firmen schwer und welche Aktien als nachhaltiges Investment einzustufen sind. Einen weltweit einheitlichen Standard dafür gibt es nicht. 

Verschiedene Definitionen für nachhaltiges Investieren

Laut dem Forum Nachhaltige Geldanlage ergänzt eine nachhaltige Geldanlage „die klassischen Kriterien der Rentabilität, Liquidität und Sicherheit um ökologische, soziale und ethische Bewertungspunkte.“ 

Der UN Global Compact, der die Globalisierung sozialer und ökologischer gestalten soll, benennt folgende Kriterien, die sich auch als Grundlage für nachhaltige Investments heranziehen lassen: 

Unternehmen, die den Global Compact unterschreiben, sollen unter anderem: 

  1. die internationalen Menschenrechte respektieren und ihre Einhaltung fördern. 
  2. die Rechte ihrer Beschäftigten respektieren, sich gewerkschaftlich zu betätigen. 
  3. alle Formen von Zwangsarbeit unterbinden. 
  4. an der Abschaffung von Kinderarbeit mitwirken. 
  5. jede Diskriminierung ausschließen. 
  6. eine vorsorgende Haltung gegenüber Umweltgefährdungen einnehmen. 
  7. Initiativen zur Förderung des Umweltschutzes ergreifen. 
  8. zur Entwicklung umweltfreundlicher Technologien ermutigen. 

 

Anhaltspunkt: ESG-Kriterien

Die ESG-Kriterien werden noch konkreter. Sie bieten Anlegern eine Orientierung und stehen für Environmental (Umwelt), Social (Soziales) und Governance (Unternehmensführung).  

Nachhaltigkeit bedeutet also nicht nur Schutz der Umwelt und des Klimas. Es schließt vielmehr auch die Einhaltung von Arbeitsrechten, faire Bezahlung, die Bekämpfung von Korruption und Bestechung oder die Verknüpfung von Vorstands-Boni an Nachhaltigkeitszielen mit ein. 

Welche Parameter fallen noch unter die ESG-Kriterien? 

EU möchte grüne Geldanlagen besser erkennbar machen

Auch die Politik tut sich mit einer Definition für grüne Geldanlagen schwer. Lange stritt die Europäische Union darüber, was eine nachhaltige Anlage ausmacht. Im Dezember 2019 einigten sich die Mitgliedsstaaten auf die sogenannte Taxonomie.  

Sie legt fest, was ein nachhaltiges und grünes Finanzprodukt ist. Der EU-Abgeordnete Markus Ferber, CSU, begründete das im Deutschlandfunk damit, dass es „eine große Nachfrage auf dem Markt für nachhaltige Finanzpapiere gibt. Und wir wollen nicht, dass jedes Bankhaus, jeder Emittent, seine eigene Definition macht.“ 

Das Konzept der EU sieht vor, dass es drei Kategorien nachhaltiger oder weitgehend nachhaltiger Finanzprodukte gibt. Kohleverstromung wird keiner dieser Kategorien zugeordnet, bei Gas hängt es von der CO2-Bilanz des Kraftwerks ab. Auch für das Streitthema Atomkraft haben die Abgeordneten einen Kompromiss gefunden: das „No-Harm-Prinzip“. Es besagt, dass ein nachhaltiges Investment auch abseits von CO2-Bilanzen der Umwelt keinen Schaden zufügen darf. 

Das ist ein erster Schritt in Richtung mehr Transparenz für Investoren – und er ist auch dringend notwendig. Als Teil des „New Green Deal“ soll das Verbrauchervertrauen in nachhaltige Anlageformen erhöht werden.  

Laut einer Studie des Forums für Nachhaltige Geldanlage wachsen zudem die Investitionen in Geldanlagen, die sich nachhaltigen Kriterien verschrieben haben, kontinuierlich. Lagen sie weltweit im Jahr 2016 noch bei knapp 23 Billionen Dollar, so waren es zwei Jahre später schon mehr als 30 Billionen. Fast die Hälfte davon entfiel auf Europa. 

Fonds, Aktien, Crowdinvesting: Welche Möglichkeiten Anleger:innen haben

Mit dem steigenden Klimabewusstsein steigt auch die Nachfrage nach sozialen und ökologischen Geldanlagen. Der Trend ist unverkennbar. Wie können Anleger:innen vorgehen, wenn sie ihr Kapital in ökologisch- oder sozial-orientierte Unternehmen investieren wollen? 

 Eine Möglichkeit sein Geld nachhaltig anzulegen sind ETFs, auch Exchange Traded Funds genannt. Sie bilden Indizes, z. B. den Dax, nach. Innerhalb eines ETFs tummeln sich verschiedene Unternehmen eines Indizes. Anleger:innen können nach Fonds suchen, die sich auf Nachhaltigkeit spezialisiert haben. Bei der Auswahl der Unternehmen legt jeder Fonds indes unterschiedliche Maßstäbe an. 

 Manche Fonds meiden etwa Aktien von Unternehmen aus der Rüstungs- oder Glücksspielbranche. Andere Fonds kaufen gezielt Aktien von Firmen, die sich in ihrer umstrittenen Branche besonders viel Mühe geben. Das ist der sogenannte Best-in-Class-Ansatz. Vereinfacht gesagt: Investitionen werden in die Kohlefirma getätigt, die sich am meisten um Klimaschutz bemüht. 

Die perfekte grüne Vermögensanlage gibt es nicht

Bei ETFs gibt es keinen „perfekten“ grünen Fonds, der gleichzeitig niedrige Kosten und geringes Risiko verspricht. Wer nachhaltig anlegen will, der muss wissen, was er will, kompromissbereit sein und letztendlich selbst entscheiden, welche Kriterien am wichtigsten sind. 

Dann gibt es auch noch das gezielte Investment in Einzelaktien. Damit können sich Investor:innen die Unternehmen heraussuchen, mit deren Geschäftsmodell sie sich identifizieren. Hier gibt es zwar ein breites Angebot, aber es kostet auch Zeit, sich damit auseinanderzusetzen. Außerdem ist die Streuung geringer. Das erhöht das Risiko von Kursschwankungen. 

Wer sich diesen Kursschwankungen nicht aussetzen möchte, der kann auf ein Crowdinvesting zurückgreifen. Mittlerweile gibt es in Deutschland viele Plattformen, die sich auf ökologische und soziale Projekte fokussieren.  

Zu den bekanntesten zählen LeihDeinerUmweltGeld, ecoligo, bettervest oder die GLS-Crowd. Sie haben vor allem Projekte aus dem Bereich erneuerbare Energien in ihrem Angebot. Laut dem Informationsportal crowdinvest.de konnten seit 2011 mehr als 31 Millionen Euro auf diesem Weg von der Crowd für Energieprojekte eingesammelt werden. 

Volle Transparenz beim Crowdinvesting

Der Vorteil einer solchen alternativen Kapitalanlage: Investor:innen wissen ganz genau, in welche Projekte sie investieren. Crowdinvestments sind vollkommen transparent.  

Anders als z. B. bei Fonds oder Aktien weiß jede/r Investor:in, was mit dem Kapital passiert und wofür es eingesetzt wird. Transparenz und Offenheit sind zwei Merkmale, die jedes seriöse Crowdinvesting auszeichnen. Unternehmen und Projektentwickler können kein Greenwashing betreiben, bei dem das Wort „Nachhaltigkeit“ nur eine Floskel ist. Anleger:innen haben die Chance, sich genau zu informieren und in Kontakt mit Unternehmen zu treten. 

Nachhaltige Investition über Crowdinvesting  

Außerdem löst Crowdinvesting eines der drängendsten Probleme bei der Verwendung der Investitionen, z. B. für den Ausbau erneuerbarer Energien: Es schafft Akzeptanz für notwendige Maßnahmen der Energiewende.  

Zwar sprechen sich 93 % der deutschen Bevölkerung für eine stärkere Nutzung und den Ausbau von erneuerbaren Energien aus. Doch eines der drängendsten Probleme der langsamen Energiewende sind lokale Proteste gegen den Ausbau des Stromnetzes.  

Konkret äußert sich Unmut gegen den Bau von Leitungen und Masten, die direkt vor der Haustür entstehen. Das bedeutet, dass Energieprojekte die bürgerliche Akzeptanz vor Ort brauchen. Crowdinvesting fördert den Zuspruch für Maßnahmen zur Energiewende durch die Einbeziehung lokaler Investoren. 

Schaffen von Akzeptanz für Klimaschutzmaßnahmen

Energieprojekte müssen – egal, ob es sich dabei um staatliche oder private Vorhaben handelt – auf Augenhöhe kommuniziert werden. Ein offener Dialog sensibilisiert Bürger. Er zeigt auch Möglichkeiten einer Projektbeteiligung vor Ort. 

Eine grüne Investition über ein Crowdinvesting kann die Mittelverwendung hin zu mehr Klimaschutz dahingehend flankieren, dass es mit erfolgreichen, offen kommunizierten Projekten Bürger:innen vor Ort einbindet – und so eine breite Akzeptanz für die Erreichung der Klimaziele schafft. 

Die Herausforderung beim Crowdinvesting: Die Verwaltung des Portfolios ist aufwendig. Wer seine Investitionen diversifizieren möchte, der muss einen hohen Aufwand betreiben, um den Überblick über Projekte und Plattformen zu behalten, in die investiert wurde. Investor:innen mit Erfahrung im Crowdinvesting wissen das. Aber auch dafür gibt es eine Lösung: den Anlagehafen. 

 Setzen Anleger weder auf ETFs, Einzelaktien oder Crowdinvesting bei der grünen Kapitalanlage, können sie ihr Geld auch in die Hände einer alternativen Bank geben. Dazu gehören z. B. die GLS Bank, die Triodos Bank oder die Ethikbank. Sie haben strenge soziale und ökologische Auflagen bei der Kreditvergabe an Unternehmen. 

Fazit: Warum der Trend „grüne Geldanlage“ nicht abebben wird

Wer sein Geld nachhaltig anlegen möchte, sollte sich vorab in jedem Fall informieren. Das Verbraucherschutz-Magazin finanztip oder die Stiftung Warentest testen nachhaltige Kapitalanlagen regelmäßig und geben Empfehlungen ab. Online können Verbraucher sich beispielsweise auf faire-fonds umschauen, welche Fonds Beteiligungen von welchen Unternehmen halten. 

Auch BlackRock hält unzählige Beteiligungen an Unternehmen, die nicht mit Nachhaltigkeitskriterien in Zusammenhang zu bringen sind. Der Konzern folgt den Regeln des Kapitalismus – und der besagt ein stetiges Wachstum im Bereich „nachhaltige Geldanlage“.  

Larry Fink folgt dem Trend des nachhaltigen Investierens im Auftrag seiner Kunden, nicht aus Überzeugung. So, wie auch der Klimawandel das beherrschende Thema in den kommenden Jahrzehnten bleiben wird, so werden auch Investitionen in nachhaltige Geldanlagen zukünftig weiter zunehmen. 

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