CrowdDesk heißt jetzt portagon.

Mehr dazu erfahren

Mitarbeiter:innenbeteiligung: Wie Sie Ihre Beschäftigten mit an Bord holen

Lesedauer: 6 Minuten

Veröffentlicht am 10. Januar 2020
Mitarbeiter:innenbeteiligungen bieten allen Unternehmen Vorteile – und dennoch nutzen es vor allem Konzerne. Der Mittelstand scheut sich noch davor, seine Belegschaft zu beteiligen; für Startups sind die Hürden zu hoch. Ist Crowdfunding eine Alternative? Hier erfahren Sie alles Wichtige zum Thema.

Wie unterstützen Unternehmen ihre Angestellten? Was in den USA oder Großbritannien Alltag ist, konnte sich in Deutschland bisher noch nicht durchsetzen: die Mitarbeiterbeteiligung.

Was zeichnet die Beteiligung der Belegschaft aus? Warum sind sie hierzulande so wenig verbreitet? Warum ist Crowdfunding eine Alternative? Das erklären wir Ihnen im Folgenden.

Was ist eine Mitarbeiter:innenbeteiligung?

Bei Mitarbeiter:innenbeteiligungen, Employee Stock Ownership Plan (ESOP), Virtual Stock Option Plan oder Belegschaftsaktien geht es um die Teilhabe der Beschäftigten im und am Unternehmen.

Darunter fällt die materielle Partizipation in Form von Kapital- oder Erfolgsbeteiligungen, aber auch immaterielles Engagement der Mitarbeiter:innen an Entscheidungen oder Prozessen.

Dementsprechend entwickelten sich in den vergangenen Jahren zahlreiche Modelle: direkte und indirekte Beteiligungen, solche mit viel und ohne Einfluss auf die Betriebe. Die Möglichkeiten und Ausgestaltungsformen sind mannigfaltig. In diesem Beitrag konzentrieren wir uns auf die materiellen Beteiligungsformen.

Mitarbeiterbeteiligungen in Deutschland nicht populär

In Deutschland stoßen Mitarbeiterbeteiligungen bisher auf keine große Resonanz. „Sie führen noch immer ein Schattendasein, aber mit deutlich aufsteigender Tendenz“, erklärt Dr. Heinrich Beyer, Geschäftsführer des Bundesverbandes Mitarbeiterbeteiligung AGP.

Laut Verbandsangaben partizipieren hierzulande rund eine Million Arbeitnehmer an ihrem Unternehmen, zumeist in Form von stillen Beteiligungen und Genussrechten. Weitere 1,3 Millionen Beschäftigte halten Belegschaftsaktien.

3.500 Firmen bieten ihren Mitarbeitern diese Möglichkeiten der Teilhabe an. Zum Vergleich: Bundesweit gibt es knapp 3,5 Millionen Unternehmen.

Reform ab Juli 2021 soll Besserung bringen

Damit sich dieses Verhältnis ändert, verkündete Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) bereits 2020, die Besteuerung und den bürokratischen Aufwand bei Mitarbeiterbeteiligungen zu verbessern. Mittlerweile billigte das Bundeskabinett Scholz‘ Pläne, sodass die Reform ab dem 01. Juli 2021 in Kraft treten soll.

Die Reform sieht im Wesentlichen diese Punkte vor:

  • Der Steuerfreibetrag für Mitarbeiterbeteiligungen soll sich auf 720 Euro verdoppeln
  • Bei Unternehmensbeteiligungen von Mitarbeitern fallen erst nach zehn Jahren beziehungsweise bei einem Arbeitgeberwechsel Steuern an
  • Die Arbeitnehmer können die Steuerlast auf fünf Jahre verteilen, anstatt sie wie bisher sofort zu bezahlen

Doch es gibt auch viel Kritik an den Reformplänen, vor allem aus der Gründer- und Digitalszene. Ihnen geht der Vorschlag von Olaf Scholz nicht weit genug.

Der Präsident des Digitalverbands Bitkom, Achim Berg, sprach davon, dass es weiterhin zu viele steuerliche Risiken für die Mitarbeiter:innen gäbe. Außerdem seien die steuerlichen Freibeträge zu niedrig und mit zu großen Einschränkungen versehen.

Ähnlich äußerte sich der Bundesverband Deutsche Startups. Laut einer Studie des Bundesverbands würde mehr als die Hälfte der deutschen Start-ups Mitarbeiterbeteiligungen anbieten.

Zum Vergleich: In Österreich liegt die Förderung bei bis zu 4.500 Euro, in Großbritannien bei 3.500 Euro und in Spanien sogar 12.000 Euro. Laut der Initiative „Not Optional“ liegt Deutschland weltweit gemeinsam mit Belgien auf dem letzten Platz bei Mitarbeiterbeteiligungsprogrammen. Führend sind die baltischen Länder Estland, Litauen und Lettland.

Mitarbeiter:innenbeteiligung über ESOP und VSOP

Die Gesetzespläne der Bundesregierung betreffen vor allem Mitarbeiterkapitalbeteiligungen. Das heißt Fälle, in denen die Mitarbeiter:innen Aktien oder Aktienoptionen an einem Unternehmen in der Rechtsform der Aktiengesellschaft erhalten (sogenanntes Employee Stock Option Plan, kurz ESOP).

Diese Fälle sind in Deutschland aufgrund der aktuellen Besteuerungslage und der Tatsache, dass die wenigsten Start-ups in der Rechtsform einer Aktiengesellschaft organisiert sind, sondern als GmbH, noch selten.

Grund dafür sind die bestehenden Regelungen des Gesellschaftsrechts. Es ist für viele junge Unternehmen zu aufwendig eine „echte“ Mitarbeiter:innenbeteiligung durchzuführen. Die Mehrheit der Start-ups arbeitet deshalb mit sogenannten virtuellen Mitarbeiter:innenbeteiligungen oder VSOPs (Virtual Stock Option Plan).

Bei einem VSOP erhält ein:e Mitarbeiter:in keine echten Anteile, sondern eine virtuelle Beteiligung am Unternehmen. Im Exit-Fall wird der VSOP dann wirtschaftlich so behandelt, als hielte ein:e Mitarbeiter:in tatsächlich eine Aktienoption und partizipiert am Exit-Erlös.

Konzerne sind Vorreiter, Mittelstand skeptisch

Diese Hürden einer „echten“ Beteiligung der Beschäftigten führen dazu, dass vor allem große DAX-Konzerne wie Siemens, Allianz oder Adidas von Mitarbeiter:innenkapitalbeteiligungen Gebrauch machen. Sie geben Belegschaftsaktien an ihre Mitarbeiter:innen aus, vor allem im gehobenen Management.

Bei kleinen und mittelständischen Unternehmen, die mehr als 90 Prozent der Betriebe in Deutschland ausmachen, ist die Beteiligung von Mitarbeiter:innen hingegen noch kaum verbreitet. Nach Schätzung des AGP sind es lediglich 2.800 Unternehmen.

Das hat vor allem strukturelle Gründe. Wegen der komplexen gesellschaftsrechtlichen Ausgestaltung halten sich KMU und Startups zurück. Zu hoch sind Verwaltungsaufwand und bürokratische Hürden.

„Außerdem sind mittelständische Unternehmen in aller Regel eigentümergeführte Familienbetriebe. Hier tut man sich schwerer, Anteile abzugeben“

Darüber hinaus würden diese Unternehmen als GmbH oder Personengesellschaften firmiert – beides Rechtsformen, die für Kapitalbeteiligungen einer großen Anzahl an Mitarbeiter:innen nicht geeignet seien. Aktiengesellschaften haben es da leichter.

Dabei bieten Mitarbeiter:innenbeteiligungen für Unternehmen aller Größen und ihre Arbeitnehmer Vorteile an. Welche sind das?

Die Vorteile einer Mitarbeiter:innenbeteiligung

Mitarbeiter:innenbeteiligungen erhöhen die Bindung an den Arbeitgeber und motivieren die Beschäftigten. Wer sich aktiv in „seinem“ Unternehmen einbringt, und nicht nur mit seiner Arbeitsleistung, sondern auch mit seinem Kapital unterstützt, will zum Erfolg beitragen. Das wirkt sich auf die beruflichen Erfolge aus – es lohnt sich finanziell.

Und auch Unternehmen profitieren vom Beteiligungsmodell: Arbeitnehmer identifizieren sich stärker mit ihrem Arbeitgeber. Denn sie sind in besonderer Weise am Unternehmen involviert. Das sorgt dafür, dass die Fluktuation sinkt.

Über Mitarbeiter:innenkapitalbeteiligungen lässt sich neues Kapital beschaffen und damit die Liquidität steigern. So bringen Formen wie Genussrechte oder stille Beteiligungen einem Unternehmen zunächst Fremdkapital, das allerdings nach einer fünfjährigen Laufzeit unter bestimmten Voraussetzungen als Eigenkapital in der Bilanz ausgewiesen wird. Das wirkt sich positiv auf Bilanzstruktur und Kreditwürdigkeit aus.

Mit Beteiligung besser für Krisen gerüstet

In Krisenzeiten kann die Belegschaft die Kapitaldecke ihres Unternehmens stärken und bei Liquiditätsengpässen aushelfen. Das erfolgt auf verschiedenen Wegen: etwa durch Lohnverzicht oder Re-Investierung nicht ausgezahlter Gewinnbeteiligung.

Mitarbeiter:innen profitieren nicht nur dadurch, dass ihr Arbeitsplatz erhalten bleibt. Nach überwundener Krise partizipieren sie an der Wertsteigerung ihres Unternehmens.

Verschiedene Institute wie das für angewandte Wirtschaftsforschung Tübingen oder das für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) untermauern dies in veröffentlichten Studien: Unternehmen, die Mitarbeiter:innenbeteiligungen anbieten, sind krisenresistenter.

Talente durch Partizipation binden

Auch beim „War for Talents“ kann eine Möglichkeit der Beteiligung entscheidende Vorteile für Unternehmen bringen. Der Fachkräftemangel sorgt dafür, dass Arbeitgeber neue Anreize schaffen müssen, um Bewerber von sich zu überzeugen.

Wer nicht mit den Gehältern von großen Konzernen mithält, für den können Mitarbeiter:innenbeteiligungen eine sinnvolle Alternative sein. In Bezug auf Startups kann eine finanzielle Beteiligung an einem möglichen Exit ein solcher Anreiz sein. Auch kleine und mittelständische Betriebe spüren den Fachkräftemangel. Sie können mit Beteiligungsformen Bewerber von sich überzeugen.

Trotz dieser Vorteile bieten vorrangig Konzerne eine Mitarbeiter:innenbeteiligung an. Kleine und mittelständische Betriebe bleiben außen vor.

„Mit der stillen Gesellschaft oder Genussrechten stehen aber auch für den Mittelstand einfache und rechtssichere Formen der Mitarbeiter:innenbeteiligung zur Verfügung“

Crowdfunding: schnelle und einfache Alternative

Doch es gibt auch heute bereits bedenkenswerte Alternativen zum klassischen VSOP, die die Merkmale einer Mitarbeiter:innenkapitalbeteiligung auf sich vereinen. So kann ein Unternehmen, das seine Mitarbeiter:innen beteiligen möchte, auch eine Crowdfunding-Kampagne exklusiv für die eigene Belegschaft in Erwägung ziehen.

Ein Crowdfunding ist unkompliziert und ohne bürokratische oder rechtliche Hürden schnell aufgesetzt.

Rechtlich funktioniert eine solche Mitarbeiter:innenbeteiligung über Konstrukte wie die stille Gesellschaft, qualifizierte Nachrangdarlehen oder über Genussrechte. Im Gegensatz zu virtuellen Beteiligungen, bei denen die Mitarbeiter:innen kein „Geld in die Hand nehmen“ müssen, investieren die Mitarbeiter:innen bei einer Crowdfunding-Kampagne einen geringen Geldbetrag in das Unternehmen oder ein Unternehmensprojekt.

Geringe Einstiegshürden für Mitarbeiter:innenbeteiligung

Im Gegenzug erhalten sie bei positiver Entwicklung hierauf eine Rendite. Die Unternehmenseigner selbst müssen weder Anteile noch Stimmrechte abgeben. Sie erhalten so die Möglichkeit, die Mitarbeiter:innen an Projekten (z. B. Errichtung einer neuen Produktionsanlage) und gleichzeitig an deren Erfolg teilhaben zu lassen.

Dieses Finanzierungs- und Mitarbeiter:innenbeteiligungsinstrument bietet sich für KMU und Startups an, die sich in Zeiten von Fachkräftemangel und fortlaufender Digitalisierung auch für alternative Vergütungssysteme wie das einer Mitarbeiter:innenbeteiligung öffnen.

Sie wollen mehr zum Thema alternative Finanzierungsinstrumente erfahren? In unserem Whitepaper haben wir die wichtigsten Informationen für Sie zusammengefasst.

Jetzt Whitepaper sichern

Wie hat Ihnen dieser Beitrag gefallen?

Durchschnittliche Bewertung 0 / 5. Anzahl der Bewertungen 0

Es tut uns leid, dass dieser Beitrag für Sie nicht nützlich war!

Verbessern Sie diesen Beitrag!

Was hat Ihnen nicht gefallen? Was können wir verbessern?