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„Mit STO kann der Finanzmarkt demokratischer werden“

Lesedauer: 3 Minuten

Jamal El Mallouki
Veröffentlicht am 4. November 2021
Mit der Bownce AG und ihrer Crowdinvesting-Kampagne ging im Oktober der erste portagon-Kunde mit einer virtuellen Finanzierung live: Mit der Ausgabe von Token für digitale Genussrechte plant der Fitness-Innovator acht Millionen Euro einzuwerben. Warum Security Token Offering (STO) mehr ist als ein Hype und was das mit der Demokratisierung des Finanzmarktes zu tun hat, erzählt portagon-Mitgründer Jamal El Mallouki im Interview.

Jamal, du hast dich in der Vergangenheit auch mal kritisch zum Thema STO geäußert. Trotzdem siehst du enormes Potenzial in der Technologie, insbesondere für Startups und mittelständische Unternehmen – wie hängt das zusammen?

Man muss ganz klar sagen: Die Technologie ist für das Finanz- und Kapitalmarktrecht noch neu. Der Gesetzgeber und die Finanzaufsicht BaFin haben in Deutschland verstanden, mit der neuen Technologie umzugehen. Dennoch sehe ich an vielen Stellen noch gesetzgeberischen Handlungsbedarf.

STOs unterliegen in Deutschland aufsichtsrechtlich dem Wertpapierrecht, sofern sie grundsätzlich übertragbar, handelbar und mit wertpapierähnlichen Rechten ausgestattet sind. Der springende Punkt: Selbst, wenn die Finanzaufsicht der Meinung ist, dass es sich aufsichtsrechtlich um ein Wertpapier handelt, kann zivilrechtlich ein anderer Rechtsrahmen zutreffend sein. Dies bedeutet für Emittent:innen, dass sie sich rechtlich vor einem STO in Deutschland von Expert:innen beraten lassen sollten.

Und worin liegen die Vorteile?

Nun, der Einsatz der Technologie und die damit einhergehende Tokenisierung der Finanzinstrumente führt zu einer einfachen Übertragbarkeit bei gleichzeitig niedrigen Transaktionskosten. Dies ist vor allem bei Finanzinstrumenten, die originär keine Wertpapiere sind, wie z. B. Nachrangdarlehen oder Genussrechten, ein absolutes Novum.

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Was ist eigentlich ein STO?
Bei einem STO wird ein Finanzinstrument, also ein Vertrag zur Überlassung von Kapital, auf die Blockchain gebracht und an Anleger:innen veräußert. Nach einer Entscheidung der BaFin 2019 ist es grundsätzlich möglich, neben Wertpapieren, auch Vermögensanlagen aufsichtsrechtlich als Security-Tokens auszugestalten. So können z. B. auch Genussscheine als Security-Tokens auf die Blockchain gebracht werden. Dabei sind eine ganze Reihe von Abwägungen bei der Ausgestaltung einer virtuellen Finanzierungsrunde mit Security-Tokens zu treffen.

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Und was bedeutet das für Anleger:innen?

Anleger:innen können über STOs erstmals Zugang zu neuen Assetklassen erhalten, bei denen zuvor die Vielzahl von Investor:innen zu einer hohen administrativen Komplexität geführt hat.

Schlussendlich wird die gesamte schuldrechtliche Beziehung zwischen Kapitalnehmer:innen und -geber:innen digitalisiert, automatisiert und in beliebige Tokens zerstückelt. Der Prozess der Tokenisierung verursacht dabei vergleichsweise geringe Kosten, womit kleine Stückelungen realisierbar werden und Investor:innen sich bereits mit geringen Beträgen beteiligen können.

Wo liegen die Unterschiede bei der Ausgestaltung für die Anleger:innen sowie für das jeweilige Unternehmen?

Die Ausgestaltungsformen können je Emission sehr individuell ausfallen, weshalb man dies für Anleger:innen und Unternehmen nicht pauschal sagen kann. Für Investor:innen ergibt sich jedoch die Notwendigkeit eines Wallets, also eines digitalen Kontos. Das ist vergleichbar mit einem Wertpapier-Depotkonto, in dem erworbene Token aufbewahrt werden. Dies stellen die Emittent:innen der Emission den Anleger:innen in der Regel unter Zuhilfenahme von Serviceanbieter:innen kostenfrei zur Verfügung.

 

Die Vision von portagon beschreibt die Demokratisierung des Finanzmarktes – inwieweit kann STO hier einen Mehrwert stiften?

Die papierbasierten Prozesse bei einer Beteiligung von vielen Anleger:innen verursachte bisher einen enormen Verwaltungsaufwand für Emittent:innen. Aus diesem Grund wurde bei Emissionen mit kleinem Volumen stets versucht eine entsprechend kleine Anzahl von Anleger:innen anzusprechen. Auf der anderen Seite gewinnen Unternehmen eine weitere Möglichkeit der bankenunabhängigen Finanzierung. Deshalb haben STOs das Potenzial, den privaten Kapitalmarkt zu digitalisieren und so den Austausch zwischen Investor:innen, Emittent:innen und Intermediären nachhaltig zu fördern.

 

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Jamal El Mallouki
Jamal El Mallouki ist Gründer von portagon. Mit der Software Lösung können Kund:innen einfach und verlässlich online Geld einwerben, vermitteln und Transaktionen sicher abwickeln. Neben LeihDeinerStadtGeld.de gründete er mit Johannes Laub auch LeihDeinerUmweltGeld.de, einen der ersten Anbieter für Schwarmfinanzierungen im Bereich der erneuerbaren Energien. Seit 2015 ist er Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Crowdfunding e.V.. Dort vertritt er die Interessen der Crowdfunding-Branche bundesweit und international.