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Mezzanine-Kapital: Definition und Einordnung

Lesedauer: 7 Minuten

Veröffentlicht am 29. Juli 2020
Mit Mezzanine-Kapital füllen Unternehmen die Lücke zwischen Eigen- und Fremdkapital. Das wirtschaftliche oder bilanzielle Eigenkapital wird über alternative Finanzierungen eingesammelt. Hier erfahren Sie alles Wichtige zum Thema.

Alle Unternehmen eint die Frage nach Kapital und Finanzierungen. Doch an wen treten Firmen heran, wenn der Kreditrahmen bei der Bank ausgeschöpft und damit der Zugang zu Fremdkapital eingeschränkt ist?

Dann ist Mezzanin-Kapital eine alternative Finanzierungsmöglichkeit, um den Kapitalbedarf einer Firma zu decken. Dazu wenden sie sich an Investoren.

Was ist Mezzanine-Kapital? Was sind die Vor- und Nachteile? Welche Stellung nimmt es bei Finanzierungsstrukturen ein? Das erfahren Sie im Folgenden.

Was ist Mezzanine-Kapital?

Der Begriff Mezzanine entstammt der Architektur. Er geht auf das italienische Wort mezzo für Mitte zurück. Mezzanine beschreibt in diesem Kontext das Zwischenstockwerk eines mehrgeschossigen Gebäudes.

Übertragen auf die Wirtschaftswelt ist das eine passende Beschreibung, da Mezzanine-Kapital eine Mischform ist, die zwischen Fremd- und Eigenkapital steht.

Man bezeichnet es als wirtschaftliches Eigenkapital oder Hybrid-Kapital. Es ist ein Oberbegriff für viele alternative Finanzierungsformen, die Eigenkapital ersetzen und ergänzen. Mezzanine-Kapital lässt sich beispielsweise über Crowdfunding oder andere digitale Finanzierungswege einsammeln.

Mit einer Mezzanine-Finanzierung haben Unternehmen die Möglichkeit, die Lücke zwischen Fremd- und Eigenkapital aufzufüllen.

Merkmale von Mezzanine-Kapital

Mithilfe digitaler Finanzierungsformen können Unternehmen Mezzanine-Kapital einsammeln. Sie behalten dabei die volle Entscheidungsgewalt und stellen keine Sicherheiten für Investoren bereit.

Das bedeutet, dass Betriebe bei der Aufnahme von Mezzaninen keine Anteile oder Stimmrechte abgeben. Investoren stellen Geld zur Verfügung und erhalten keinerlei Mitspracherechte. Sie beteiligen sich ausschließlich wirtschaftlich.

Im Insolvenzfall ist Mezzanine-Kapital vorrangig gegenüber Eigenkapital, aber nachrangig gegenüber Fremdkapital. Investoren, die Mezzanine bereitstellen, treten gegenüber Drittgläubigern grundsätzlich im Rang zurück.

Tritt der Krisenfall ein, dann bedient der Insolvenzverwalter die Forderungen der Mezzanine-Kapitalgeber als letzte. Es besteht daher das Risiko eines Totalausfalls der Investition.

Wieso lohnt sich das Risiko dennoch? Investoren erhalten eine attraktive Verzinsung (in der Regel zwischen vier und sieben Prozent) oder Gewinnbeteiligung – im Niedrigzinsumfeld finden sie das sonst selten. Für ihr Investment erhalten sie Informations- und Auskunftsrechte.

Die Vorteile von Mezzanine-Kapital

  • Mezzanine-Kapital erhöht das Eigenkapital und die Eigenkapitalquote
  • Aufgrund seines eigenkapitalähnlichen Charakters verbessert Mezzanine-Kapital die Bilanzstruktur und die Bonität
  • Es hat einen positiven Einfluss auf die Unternehmensbewertungen und den finanziellen Spielraum
  • Unternehmen stellen sich unabhängiger von Banken auf
  • Es kommt zu keiner Kapitalverwässerung oder Verlust von Eigentumsrechten der Gesellschafter
  • Unternehmen bewahren sich ihre Entscheidungsfreiheiten
  • Mit Mezzanine-Kapital lassen sich Finanzierungslücken schließen und Kapitalgrundlage für Investitionen bilden
  • Unternehmen erhaltenen einen besseren Zugang zu Bankkrediten, aufgrund der höheren Eigenkapitalquote (EKQ)
  • Mezzanine-Kapital ist flexibel in Bezug auf Rückzahlungs- und Kündigungsmodalitäten
  • Mezzanine-Kapital ist flexibel und individuell im Hinblick auf seine Ausgestaltung, je nach Wunsch des Unternehmens
  • Unternehmen benötigen keine Sicherheiten
  • Mezzanine begünstigten die steuerliche Abzugsfähigkeit von Zinsen

Die Nachteile von Mezzanine-Kapital

  • Gegenüber einem Bankkredit fallen höhere Kosten an
  • Mezzanine-Kapital bedeutet erhöhte Transparenzanforderungen für Unternehmen
  • Es handelt sich um eine zeitlich befristete Kapitalüberlassung

Die Rolle von Mezzanine-Kapital bei Finanzierungsstrukturen

Die Finanzierungsstruktur eines Unternehmens ruht auf Eigen- und Fremdkapital. Das Eigenkapital stellt das Unternehmen bereit. Das Fremdkapital kommt in Form eines Kredites von der Bank.

Das Verhältnis von Eigen- zu Fremdkapital variiert je nach Branche und der bereits bestehenden Geschäftsbeziehungen. In den meisten Fällen erwarten Banken eine bestimmte Eigenkapitalquote (EKQ) für die Vergabe eines Kredites.

Ist die EKQ eines Unternehmens zu gering, muss es sich das benötigte Eigenkapital selbst beschaffen. Hier kommt Mezzanine-Kapital ins Spiel. Damit lässt sich die Finanzierungslücke füllen.

Bankenunabhängiger mit Mezzanine-Kapital

Das Unternehmen initiiert z. B. ein Crowdfunding und sammelt bei Privatanlegern das benötigte Mezzanine-Kapital ein.

Das eingeworbene Kapital stockt die Eigenkapitalquote des Unternehmens auf, wodurch der Zugang zum Bankkredit und damit Fremdkapital sichergestellt ist.

Die Grafik verdeutlicht die Finanzierungsstruktur am Beispiel von Immobilienprojekten:

Immobilienprojekte Finanzierung

Mezzanine-Kapital eignet sich aufgrund seiner Ausgestaltung ideal, um Finanzierungslücken zu schließen.  Es ermöglicht einen schnellen Zugang zu eigenkapitalähnlichen Mitteln. Das gibt Unternehmen die Möglichkeit, neue Finanzierungsstrukturen zu etablieren und sich bankenunabhängiger zu positionieren.

Mezzanine ermöglicht breiten Finanzierungsmix für Unternehmen

Mezzanine-Kapital verschafft Unternehmen in den verschiedensten Phasen Kapital. Heute nutzen es nicht mehr nur kleine und mittelständische Betriebe, sondern auch Startups.

Aufgrund seiner individuellen Ausgestaltung und der vollen unternehmerischen Entscheidungsfreiheit, ist es als alternatives Finanzinstrument beliebt.

Durch die verbesserte Liquidität und eine stärkere Eigenkapitalquote können Unternehmen unabhängiger gegenüber klassischen Geldgebern wie Banken agieren. Gerade in Wachstumsphasen steht ihnen damit eine Vielzahl von Möglichkeiten bei der Finanzierung offen.

Mezzanine-Kapital und Kreditvergabe

Die Nachfrage nach Mezzanine-Finanzierungen für Unternehmen steigt seit Jahren. Banken akzeptieren das Mischkapital bei der Prüfung von Kreditanfragen und bewerten es positiv für die Bonität.

Denn durch seine Eigenschaften schmälert es die Sicherheiten eines Unternehmens nicht – ein wesentlicher Aspekt bei der Bewertung der Kreditwürdigkeit. Wie oben bereits erwähnt, ist ein wichtiger Bestandteil dieses Prozesses eine hohe Eigenkapitalquote, die Banken voraussetzen. Warum?

Das hängt mit den neuen Kapitalmarktregelungen Basel III und Basel IV zusammen. Nach der Finanzkrise verschärfte sich die Regulierung. Banken erhöhten ihre Eigenkapitalanforderungen an Unternehmen, um im Krisenfall auf entsprechende Sicherheiten zuzugreifen.

Eigenkapitalanforderungen der Banken steigen

Laut KfW-Mittelstandspanel 2019 liegt die EKQ deutscher Unternehmen auf einem hohen Niveau. Doch schon im letzten Jahr verdichteten sich die Anzeichen, dass deren anhaltender Aufbau zum Ende kommt.

Das liegt vor allem an der Spreizung der Eigenkapitalquote zwischen den Unternehmen. Die Verschlechterung der Lage lässt sich vor allem bei Kleinstunternehmen beobachten: Betriebe mit weniger als zehn Beschäftigten verharren seit 2011 auf einem ähnlichen Niveau bei ihrer Eigenfinanzierungskraft.

Zugleich verzeichnen mehr Unternehmen eine EK-Quote von unter zehn Prozent, während die Zahl derer mit einer hohen Quote von mindestens 30 % erstmals rückläufig ist.

Mezzanine-Kapital kann in diesem Fall aufgrund seiner hybriden Eigenschaften eine Alternative sein, um eine ausreichende Finanzierung sicherzustellen.

Eigenkapitalquote Mittelstand

Mezzanine-Finanzierungen rücken in den Fokus

Für Unternehmen ist es daher ratsam die Finanzierungsstruktur zu diversifizieren. Verfügt ein Unternehmen nicht über das notwendige Eigenkapital für einen Bankkredit, helfen alternative Finanzierungen weiter.

Darüber lässt sich Mezzanine-Kapital bei Investoren einsammeln. So entsteht eine Mischfinanzierung aus alternativen Finanzquellen (Crowdfunding) und klassischen Finanzquellen (Bankkredit).

Diese Mischung verschiedener Kapitalquellen macht Unternehmen flexibler in ihren Entscheidungen. Durch die speziellen Eigenschaften von Mezzanine-Kapital finanzieren sie Wachstum und Investitionen.

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