Investition mit Mehrwert: Sea-Watch betritt Neuland mit Crowdinvesting-Projekt über die GLS Crowd

Lesedauer: 5 Minuten

Veröffentlicht am 11. Oktober 2022
Vor Kurzem startete ein bemerkenswertes Crowdinvesting-Projekt von Sea-Watch auf der Plattform GLS Crowd. Ziel des Finanzierungsprojekts ist die Modernisierung der eigenen Rettungsflotte, mit deren Hilfe Sea-Watch ihre zivile Seenotrettung im Mittelmeer betreibt. Eine Investition mit Mehrwert, von der alle Beteiligten profitieren können.

Sea-Watch und die Rettungseinsätze im Mittelmeer

Im Jahre 2015 gegründet, widmet sich der Verein Sea-Watch der Rettung von über den Seeweg nach Europa flüchtenden Menschen. Ursprünglich als Überbrückung bis zu dem Zeitpunkt gedacht, an dem die beteiligten Staaten diese Einsätze selbst fortführen, geht die Arbeit unvermindert weiter. Seit dem Start war Sea-Watch so an der Rettung von mittlerweile über 45.000 Schutzsuchenden beteiligt. Für die Rettungseinsätze wurden über die Jahre mehrere gebrauchte Boote angekauft und umgerüstet. Aufgrund des fortgeschrittenen Alters von gut 50 Jahren wird das dienstälteste Schiff der zivilen Seenotrettung, die Sea-Watch 3, 2023 in den Ruhestand gehen.

Die Anschaffung eines modernen Ersatzes, der Sea-Watch 5, stellt für den Verein deshalb eine unerlässliche, aber auch große Investition dar. Und es kommen weitere Faktoren erschwerend hinzu. Hierzu zählen nicht zuletzt die hohe Inflation und der andauernde Konflikt in Osteuropa, wodurch sich die Anschaffungspreise vergleichsweise stark erhöht haben. Um die Liquidität der Organisation zu schonen, fiel mit dem Partner GLS Bank die Wahl auf das Instrument des Crowdinvestings. Seit Ende September können nun über die GLS Crowd, eine unabhängige Kooperationspartnerin der GLS Bank, Nachrangdarlehen für das Projekt Sea-Watch 5 gezeichnet werden, die fest verzinst und über drei Jahre getilgt werden. Das Projekt auf der Plattform hat ein Fundingziel von 2,25 Millionen Euro.

Mattea Weihe

Mattea Weihe

Sea-Watch e.V.

„Uns wurde klar, dass wir ein neues Schiff in der zivilen Flotte benötigen, welches größer und effizienter ist, um mehr Menschen vor dem Ertrinken retten zu könnten. Nur durch eine gemeinsame Finanzierung kann dieser Schritt möglich gemacht werden."

Crowdinvesting als „Investition zum Anfassen“

Der Crowdinvesting-Markt hat sich seit dem Jahr 2011 sehr dynamisch entwickelt. Bereits weit über 1 Milliarde Euro an Kapital wurde über Crowdinvesting allein in Deutschland erfolgreich eingeworben. Die Bandbreite an Projekten und Branchen ist dabei sehr groß. Den Löwenanteil des Investitionsvolumens machen bisher Immobilienprojekte aus.

Nach dem Markteintritt der GLS Crowd hat sich die Plattform hierzulande schnell zu einer der größten Akteurinnen im Segment der nachhaltigen Crowdinvestments entwickelt. So konnten über die GLS Crowd mehr als 40 auf Nachhaltigkeit ausgelegte Projekte mit einem Volumen von 42 Mio. € im deutschsprachigen Raum erfolgreich finanziert werden. Die einzelnen Projekte haben dabei Beträge von einigen hunderttausend Euro bis hin zu 4 Mio. € eingeworben.

Crowdinvesting richtet sich zunächst bewusst an Akteur:innen, die ein Projekt nicht nur aus rein ideellen Motiven unterstützen möchten. Im Erfolgsfall profitieren sie hier von den vereinbarten Zinsen. Der Ansatz der GLS Crowd, sich gezielt auf konkrete, sinnstiftende Vorhaben zu fokussieren, trifft den Wunsch vieler Privatanleger:innen: Finanzanlagen sollen für sie nicht nur eine attraktive Rendite erzielen, sondern auch einen persönlichen Mehrwert bieten.

Besonders Projekte, die gesellschaftliche Probleme und ökologische Herausforderungen adressieren, rufen spürbar mehr Enthusiasmus bei den Anleger:innen hervor. Gerade größere Investitionsvorhaben wie Solar- und Windparks oder andere Projekte rund um das Thema Erneuerbare Energien erzeugen ein reges Interesse. Die meisten Anleger:innen möchten hier mit ihrem Geld einen sozial-ökologischen Mehrwert bewirken. Auch die jüngere Anlegerschaft fühlt sich durch Crowdinvesting mehr angesprochen, als durch Fondssparen oder vergleichbare Investitionsformen. So befriedigen Crowdinvesting-Plattformen das Kundenbedürfnis, selbst zu entscheiden, in welche Vorhaben sie ihr Geld investieren – digital und einfach über eine Online-Plattform.

GLS Crowd als attraktive Plattform für nachhaltige Investments

Die Entscheidung von Sea-Watch zugunsten der GLS Crowd als Plattform für das ambitionierte Projekt war naheliegend. So besteht schon seit vielen Jahren eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Sea-Watch und der GLS Bank, Kooperationspartnerin der GLS Crowd. Auch die Idee, für den Kauf der Sea-Watch 5 nicht auf eine reine Kreditvergabe zu setzen, sondern die benötigten Mittel zumindest teilweise über Crowdinvesting einzuwerben, entstand in der direkten Zusammenarbeit.

Die GLS Bank ist ursprünglich selbst aus einem Gemeinschaftsprojekt hervorgegangen. Für den Aufbau einer Schule hat sich 1974 eine Gruppe von Menschen zusammengetan. Da eine Finanzierung über die örtlichen Banken nicht möglich war, bauten sie auf eine starke Gemeinschaft, um das Projekt schließlich selbst umzusetzen – und gründeten das, was heute die GLS Bank ist. Der Ansatz, das gemeinschaftliche Handeln in den digitalen Raum zu übertragen, hat 2017 schließlich dazu geführt, die GLS Crowd zu initiieren.

Die GLS Bank ist dabei nicht nur Initiatorin, sondern auch Namensgeberin der Plattform und betreibt diese zusammen mit portagon als Partner. Dabei ist portagon nicht nur für die digitalen Prozesse und den Betrieb der technischen Infrastruktur verantwortlich, sondern fungiert auch als Betreiber der GLS Crowd. Die GLS Bank bringt ihre Expertise ein und schlägt über die Plattform geeignete Crowdinvesting-Projekte zur Vermittlung vor. Analog zu den von der Bank vorgelebten Werten und Prinzipien, sind es explizit sozial-ökologische, auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Vorhaben. Es handelt sich also um eine sehr bewusste Auswahl, die den Anlage- und Finanzierungsgrundsätzen der GLS Bank entspricht und den Fokus auf sozial-ökologische, nachhaltige Vorhaben widerspiegelt.

Sea-Watch und GLS Crowd als logische Partner

Die Zusammenarbeit leuchtet also ein: Auf der einen Seite steht die Gemeinschaft der GLS Crowd, die gerade für Sea-Watch eine vielversprechende, weil aufgeschlossene Zielgruppe darstellt – nicht nur in Bezug auf das Investitionsangebot, sondern auch mit Blick auf den Vereinszweck.

Sea-Watch wiederum bringt als medial stark präsente Rettungsorganisation nicht nur große Aufmerksamkeit mit – sondern auch eine über viele Jahre gewachsene Community, welche die tägliche Arbeit auf See und die weitere Entwicklung der Organisation eng begleiten und mit Spenden unterstützt. Der eigenen Community nun zu ermöglichen, sich direkt an einer für Sea-Watch unerlässlichen Investition zu beteiligen, entspricht dem expliziten Wunsch vieler bereits engagierter Unterstützer:innen.

Für die GLS Crowd ist das Projekt Sea-Watch ein spannendes Angebot, um über den Kapitalmarkt auf innovativem Weg Akteur:innen zusammen zu bringen, die genau diese Form des sinnstiftenden Investierens wünschen. Das Projekt ist besonders: Mit dem Erwerb eines modernen Schiffes für die Seenotrettung tritt hier zum ersten Mal ein deutscher Verein als Emittent auf, der international agiert.

Mattea Weihe

Mattea Weihe

Sea-Watch e.V.

„Wir wollen unsere Unterstützer:innen aktiv am Prozess beteiligen: Vom Schiffskauf, dem Umbau, bis zum ersten Einsatz, wenn die Sea Watch 5 das erste Mal in See sticht.“

Sea-Watch geht neue Wege

Um große und anhaltende Aufmerksamkeit für die eigene Arbeit ist Sea-Watch selbstverständlich ebenso bemüht wie andere primär spendenfinanzierte Organisationen auch. Wie steht es also um die zukünftigen Pläne zur Finanzierung der kostspieligen Einsätze der Sea-Watch-Crews? Der Verein finanziert seine laufenden Kosten ausschließlich über Spenden. Zur Finanzierung bestimmter Großprojekte – etwa der Anschaffung neuer Rettungsschiffe – kann er aber auch auf die Hilfe anderer Netzwerke zählen. Bei der Anschaffung der Sea-Watch 4 im Jahr 2020 etwa war das Bündnis United4Rescue maßgeblich beteiligt. United4Rescue besteht aus unterschiedlichen Akteur:innen, die sich (analog zur Arbeit des Sea-Watch e.V.) für die Rettung von Menschenleben im Mittelmeer stark machen. Dazu gehören etwa die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und Menschenrechtsorganisationen, aber auch viele Initiativen auf kommunaler Ebene. Auch bei diesem Projekt konnte Sea-Watch also bereits auf einen großen Pool von Unterstützer:innen bauen.

Vom Crowdinvesting über die GLS Crowd verspricht sich Sea-Watch die Aufmerksamkeit neuer Verbündeter und ermöglicht es gleichzeitig bestehenden Partner:innen, sich als Investor:innen einzubringen. In dieser Hinsicht ist das Sea-Watch-Projekt auch ein Testballon für andere Organisationen, die sich dem Thema Crowdinvesting in Zukunft annähern könnten. Mit der laufenden Kampagne erhofft sich Sea-Watch, dass sich unter den hier engagierten Geldgeber:innen auch solche finden, die sich zusätzlich über eine Spende oder Fördermitgliedschaft einbringen.

Über den Sea-Watch e.V.: Sea-Watch e.V. ist eine gemeinnützige Initiative, die sich der zivilen Seenotrettung im zentralen Mittelmeer verschrieben hat. Angesichts einer andauernden und staatlich initiierten humanitären Katastrophe leistet Sea-Watch akute Nothilfe. Sea-Watch fordert und forciert Rettungseinsätze durch die zuständigen europäischen Institutionen und steht öffentlich für legale Fluchtwege sowie für Bewegungsfreiheit und ein solidarisches Europa ein. Sea-Watch ist politisch und religiös unabhängig und finanziert sich ausschließlich durch Spenden.

Über die GLS Crowd: Die Online-Plattform GLS Crowd verbindet Menschen, die mit ihrem Geld sozial-ökologische Projekte verwirklichen wollen, mit Unternehmer:innen und deren zukunftsweisenden Ideen. Anleger:innen können über die GLS Crowd mit Beträgen ab 250 Euro in eine Vielfalt von Projekten und Wachstumsunternehmen investieren. Diese werden nach den Kriterien der Anlage- und Finanzierungsgrundsätze der GLS Bank ausgewählt.

Bildquelle: Fabian Melber

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