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Finanzprodukte beim Crowdinvesting

Lesedauer: 8 Minuten

Veröffentlicht am 2. November 2020
Beim Crowdinvesting haben Unternehmen die Möglichkeit, Kapital über verschiedene Finanzprodukte einzusammeln. Welche üblicherweise zum Einsatz kommen, was sie auszeichnet und welche gesetzlichen Regelungen ihnen zugrunde liegen.

In der Regel werden Finanzprodukte von Banken, Fonds und Versicherungen aufgelegt. Sie schließen vor allem Geld- und Kapitalanlagen sowie erweitert auch Versicherungs- und Kreditprodukte ein.

Die bekanntesten sind wohl AktienFonds oder ETFs. Ein Finanzprodukt dient der Kapitalbeschaffung für Unternehmen, als Geldanlage zur Vermögensbildung für Anlegerinnen und Anleger, zur Risikoabsicherung oder zur Bereitstellung von Liquidität.

Im Folgenden klären wir über die Finanzprodukte auf, die Unternehmen und Projektentwickler beim Crowdinvesting üblicherweise einsetzen, um Kapital einzusammeln. Die folgenden Finanzierungsinstrumente lassen sich allesamt über die CrowdDesk-Software abbilden.

Welche Finanzprodukte gibt es?

Drei Kategorien im Bereich Crowdinvesting

Vermögensanlagen

Innerhalb der jeweiligen Kategorien der Finanzprodukte gibt es verschiedene Finanzierungsinstrumente, die zum Einsatz kommen. Wir gehen zunächst auf die Instrumente ein, die den Vermögensanlagen zugerechnet werden.

Finanzregulierungen Crowdinvesting

Festverzinsliche Nachrangdarlehen

Was zeichnet sie aus?

  • Anlegerinnen und Anleger erhalten Zinszahlung für ihre Investition
  • Emittenten erhalten Mezzanine-Kapital
  • die Nachrangabrede bedeutet, dass die Forderung des Gläubigers bei Insolvenz oder Liquidation den anderen Gläubigern im Rang nachgestellt ist
  • ist das Darlehen mit einem qualifizierten Rangrücktritt ausgestattet, verzichtet der Gläubiger auf die Erfüllung seiner Forderung, um eine Überschuldung zu vermeiden
  • in § 1 Abs. 2 Nr. 4 VermAnlG genannt

Welchen Informationspflichten unterliegen sie?

  • Umfang der Emission < 100.000 Euro: Prospektfrei und kein Vermögensanlagen-Informationsblatt (VIB) notwendig
  • Umfang der Emission < 6 Mio. Euro: Prospektfrei und VIB notwendig, Finanzanlagenvermittler benötigt eine 34f-Lizenz zur Vermittlung
  • Umfang der Emission > 6 Mio. Euro: Prospektpflichtig, Finanzanlagenvermittler benötigt eine 34f-Lizenz zur Vermittlung

Partiarisches Nachrangdarlehen

Was zeichnet sie aus?

  • Anlegerinnen und Anleger sind am Erfolg der Vermögensanlage (Gewinn, Unternehmenswert, Umsatz) beteiligt
  • die Zinskosten steigen mit dem Erfolg der Vermögensanlage
  • Unternehmen erhalten Mezzanine-Kapital
  • die Nachrangabrede bedeutet, dass die Forderung des Gläubigers bei Insolvenz oder Liquidation den anderen Gläubigern im Rang nachgestellt ist
  • ist das Darlehen mit einem qualifizierten Rangrücktritt ausgestattet, verzichtet der Gläubiger auf die Erfüllung seiner Forderung, um eine Überschuldung zu vermeiden
  • in § 1 Abs. 2 Nr. 3 VermAnlG genannt

Welchen Informationspflichten unterliegen sie?

  • Umfang der Emission < 100.000 Euro: Prospektfrei und kein Vermögensanlagen-Informationsblatt (VIB) notwendig
  • Umfang der Emission < 6 Mio. Euro: Prospektfrei und VIB notwendig, Finanzanlagenvermittler benötigt eine 34f-Lizenz zur Vermittlung
  • Umfang der Emission > 6 Mio. Euro: Prospektpflichtig, Finanzanlagenvermittler benötigt eine 34f-Lizenz zur Vermittlung

Genussrecht

Was zeichnet sie aus?

  • Anlegerinnen und Anleger beteiligen sich variabel an Erfolg und Verlust
  • jede Unternehmensform (AG, GmbH, OHG etc.) kann Kapital emittieren
  • Unternehmen erhalten Mezzanine-Kapital
  • die Emittenten haben vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten (Laufzeit, Liquiditätsbeteiligung etc.), da keine gesetzliche Definition vorliegt
    • Genussrechtsbedingung regelt: Verlustbeteiligung, Ausschüttung und Verzinsung, Laufzeit, Nachzahlungsanspruch, Partizipation bei Veräußerung, was es für Mitarbeiterbeteiligungen attraktiv macht

Welchen Informationspflichten unterliegen sie?

  • Umfang der Emission < 100.000 Euro: Prospektfrei und kein Vermögensanlagen-Informationsblatt (VIB) notwendig
  • Umfang der Emission < 6 Mio. Euro: Prospektfrei und VIB notwendig, Finanzanlagenvermittler benötigt eine 34f-Lizenz zur Vermittlung
  • Umfang der Emission > 6 Mio. Euro: Prospektpflichtig, Finanzanlagenvermittler benötigt eine 34f-Lizenz zur Vermittlung

Namensschuldverschreibungen

Was zeichnet sie aus?

  • ist eine Vermögensanlage, wenn es nicht als Wertpapier verbrieft wird und die Fungibilität ausgeschlossen ist
  • Anlegerinnen und Anleger erhalten eine feste Zinszahlung
  • Unternehmen erhalten Mezzanine-Kapital
  • Anleger:innen sind gleichrangig gegenüber anderen Gläubigern, optional kann eine Nachrangabrede ausgestaltet sein
  • Es erfolgt eine Eintragung ins Anlegerregister der Gesellschaft

Welchen Informationspflichten unterliegen sie?

  • Umfang der Emission < 100.000 Euro: Prospektfrei und kein Vermögensanlagen-Informationsblatt (VIB) notwendig
  • Umfang der Emission < 6 Mio. Euro: Prospektfrei und VIB notwendig, Finanzanlagenvermittler benötigt eine 34f-Lizenz zur Vermittlung
  • Umfang der Emission > 6 Mio. Euro: Prospektpflichtig, Finanzanlagenvermittler benötigt eine 34f-Lizenz zur Vermittlung

 

Wertpapiere

Schauen wir uns das Finanzprodukt „Wertpapiere“ an. Wertpapiere halten eine Beteiligung von Investoren an einem Unternehmen oder ein Schuldverhältnis in schriftlicher Form fest. Sie verbriefen damit ein Recht. Zu den wichtigsten Wertpapier-Arten gehören Aktien, Anleihen, Zertifikate, Optionsscheine sowie Fonds und ETFs.

 

Finanzregulierungen Crowdinvesting

Namensaktie

Was zeichnet sie aus?

  • Anlegerinnen und Anleger erhalten eine Erfolgsbeteiligung in Form einer Dividende
  • außerbörslich gehandelt und an Nominalwert gebunden
  • Unternehmen erhalten Eigenkapital
  • Anleger:innen wird Mitinhaber der Gesellschaft

Welchen Informationspflichten unterliegen sie?

  • Umfang der Emission < 100.000 Euro: Prospektfrei und kein Wertpapieranlagen-Informationsblatt (WIB) notwendig
  • Umfang der Emission 100.000 bis 1 Mio. Euro: Prospektfrei und WIB notwendig
  • Umfang der Emission 1 bis 8 Mio. Euro: Prospektfrei und WIB notwendig, Finanzanlagenvermittler benötigt eine 32 KWG-Lizenz zur Vermittlung
  • Umfang der Emission => 8 Mio. Euro: Prospektpflichtig

 

Genussschein

Was zeichnet ihn aus?

  • Anlegerinnen und Anleger beteiligen sich an Erfolg und Verlust des Emittenten
  • es handelt sich um ein verbrieftes Genussrecht
  • Unternehmen erhalten Mezzanine-Kapital, eine Ausgestaltung als Fremdkapital ist möglich
  • jede Unternehmensform (AG, GmbH, OHG etc.) kann Kapital emittieren
  • die Emittenten haben vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten, da keine gesetzliche Definition vorliegt
  • je nach Ausgestaltung: Eigenkapital oder Fremdkapital

Welchen Informationspflichten unterliegen sie?

  • Umfang der Emission < 100.000 Euro: Prospektfrei und kein Wertpapieranlagen-Informationsblatt (WIB) notwendig
  • Umfang der Emission < 1 Mio. Euro: Prospektfrei und WIB notwendig
  • Umfang der Emission > 8 Mio. Euro: Prospektpflichtig

Inhaberschuldverschreibung

Was zeichnet sie aus?

  • Anlegerinnen und Anleger erhalten eine feste Zinszahlung
  • Emittenten erhalten Fremdkapital
  • im Vergleich zu z. B. Nachrangdarlehen haben Anleger:innen mehr Sicherheiten

Welchen Informationspflichten unterliegen sie?

  • Umfang der Emission < 100.000 Euro: Prospektfrei und kein Wertpapieranlagen-Informationsblatt (WIB) notwendig
  • Umfang der Emission < 1 Mio. Euro: Prospektfrei und WIB notwendig
  • Umfang der Emission > 8 Mio. Euro: Prospektpflichtig

Alternative Investmentfonds (AIF)

Was zeichnet sie aus?

  • Unternehmerische Beteiligung seitens der Anlegerinnen und Anleger
    • Jährliche Auszahlung, je nach Erfolg des Fonds
    • Partizipation an der Veräußerung des Anlageobjekts am Ende der Laufzeit
  • Kapital der Anleger:innen wird langfristig gebunden, um in Vermögensgegenstände zu investieren
  • hohe Weichkosten (Verwaltung, Marketing, Steuer- und Rechtsberatung)
  • Hohe gesetzliche Anforderungen an Nachvollziehbarkeit und Transparenz
  • Einbindung einer Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) sowie einer Verwahrstelle

Welchen Informationspflichten unterliegen sie?

  • Verkaufsprojekt für den Fonds muss vorliegen inkl. der wesentlichen Anlegerinformationen
  • Finanzvermittler braucht eine 34f-Lizenz zur Vermittlung
Alternativer Investmentfonds

Kapitalmarktrechtlichen Regelungen für Emittenten und Vermittler

Prospektfrei? Prospektpflichtig? Wie und in welchem Umfang Emittenten die Öffentlichkeit über das angebotene Finanzprodukt informieren müssen, hängt im Wesentlichen von dem gewählten Finanzprodukt und der Höhe des emittierten Volumens ab. Aus welchen gesetzlichen Bestimmungen leiten sich diese Regelungen ab?

Prospektpflicht

  • Nach § 6 VermAnlG für öffentliche Angebot von Vermögensanlagen im Sinne von § 1 Abs. 2 VermAnlG
  • nach Art. 3 Abs. 1 EU-Prospektverordnung für öffentliche Angebote von Wertpapieren im Sinne von Art. 2 der EU-Prospektverordnung

Befreiung der Prospektpflicht

  • Für Schwarmfinanzierungen über Internet-Dienstleistungsplattformen mittels Vermögensanlagen nach § 2a VermAnlG;
  • Wertpapier-Emissionen nach § 3 Nr. 2, § 4 ff. WpPG
  • Vermittlerpflicht, keine Prospektbefreiung für Eigenemissionen

Informationsblätter (inhaltliche Vorgaben)

  • Vermögensanlagen-Informationsblatt (VIB) nach § 13 VermAnlG
  • Wertpapier-Informationsblatt (WIB) nach § 4 WpPG
  • VIB und WIB müssen von der Bundesanstalt für Finanzaufsicht (BaFin) gestattet werden

Ob Genussrechte, Anleihe, Nachrangdarlehen oder Aktien: Über Crowdinvesting lässt sich eine Vielzahl von Finanzprodukten abbilden. Somit kann die digitale Direktfinanzierung individuell auf die Bedürfnisse der Emittenten eingehen. So lassen sich verschiedene Finanzierungsszenarien und -bedürfnisse von Unternehmen und Projekten strukturieren.

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