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Digitale Unternehmensfinanzierung: Kapital ohne Banken?

Lesedauer: 15 Minuten

Veröffentlicht am 10. Dezember 2020
Gründung, Wachstum oder Projektfinanzierung: Jedes Unternehmen braucht Kapital. Der klassische Weg über die Bank ist aber längst nicht mehr der einzige, da er ineffizient und zeitaufwendig ist. Die digitale Unternehmensfinanzierung gewinnt hingegen an Bedeutung. Wie  können Firmen hier vorgehen?  

Ob mit Fremdkapital oder Eigenkapital: Eine solide Finanzierung ist die Grundlage für unternehmerisches Handeln. Doch viele Betriebe haben bei der Kapitalbeschaffung Probleme. Denn der Zugang zu Fremdkapital ist in den vergangenen Jahren schwieriger geworden.

Hier setzt die digitale Unternehmensfinanzierung an und bietet Unternehmen einen neuen Weg, um Kapital aufzunehmen. Sie gewinnt zunehmend an Bedeutung bei der Kapitalbeschaffung. Im Folgenden finden Sie alle wichtigen Infos zur digitalen Unternehmensfinanzierung.

1. Worauf es bei der Unternehmensfinanzierung ankommt

Die Unternehmensfinanzierung gehört zu den wichtigsten Aufgaben  eines Unternehmens. Firmen müssen sich ständig der Frage stellen, wie sie konstant für die notwendige Liquidität sorgen, wodurch die Unternehmensziele erreicht werden.

Ein solider Finanzplan ist die Grundlage  jeder Unternehmensfinanzierung.  Dazu gehört ein Businessplan, der Budgetkalkulation, Rendite- und Kostenerwartungen berücksichtigt.  Die Finanzplanung zeigt, wann wie viel Kapital benötigt wird und wofür es eingesetzt werden muss. Daraus leitet sich ab, wie groß der Finanzierungsbedarf eines Unternehmens ist.

Hat ein Unternehmen laut Finanzplan zu wenig Kapital, muss es sich welches beschaffen. Hier kommt die Unternehmensfinanzierung ins Spiel. Dafür können Unternehmen die unterschiedlichsten Kapitalquellen und  Arten nutzen.

2. Welche Arten von Unternehmensfinanzierung gibt es?

Benötigt ein Unternehmen Fremd- oder Eigenkapital? Oder doch besser eine Unternehmensfinanzierung über Mezzanine-Kapital? Für Unternehmen gibt es viele Wege, um Kapital zu beschaffen.

Die Art der Unternehmensfinanzierung ist individuell. Je nach Projekt oder Vorhaben kommen unterschiedliche Finanzierungsinstrumente in Frage. Hier eine Übersicht der wichtigsten Arten.

Eigenkapitalfinanzierung

  • Finanzierung aus eigenen Mitteln: Gerade Startups und junge Unternehmen finanzieren sich in der Anfangszeit oftmals über Kapital der Gründerinnen und Gründer.
  • Selbstfinanzierung oder „Bootstrapping“: Das Unternehmen wirft so viel Gewinn ab, dass es sich selbst finanziert und die weitere Entwicklung aus der Gewinnthesaurierung erfolgt.
  • Privatkredit oder „Family & Friends“: Unternehmen erhalten Spenden und zinslose Kredite von Personen, die  dem Unternehmen nahe stehen.
  • Förderprogramme von staatlicher Seite: Es gibt unzählige Förderprogramme auf Länder-, Bundes- und Europäischer Ebene, auf die Unternehmen zugreifen können.
  • Kapitalerhöhung durch Gesellschafter:  Unternehmen bewegen die bisherigen Gesellschafter dazu , neues Kapital beizusteuern. Das bedeutet allerdings auch, dass Anteile abgegeben werden müssen.
  • Risikokapital oder Venture Capital: Unternehmen gewinnen neue Investoren/Gesellschafter und finanzieren sich dadurch. Auch hier müssen Unternehmensanteile abgegeben werden.

Fremdkapitalfinanzierung

  • Die Mehrheit aller Unternehmensfinanzierungen wird über einen Bankkredit abgewickelt.  Die Kreditfinanzierung gehört zu den gängigsten Formen für Unternehmen.

3. Warum braucht die Unternehmensfinanzierung Alternativen?

Haben Unternehmen Kapitalbedarf, wenden sie sich in den meisten Fällen an ihre Hausbank.  Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) hat das in einer 2019 veröffentlichten Studie als „Hausbankprinzip“ bezeichnet. Demnach haben 93 % aller kleinen und mittelständischen Unternehmen (die 99,95 % aller Unternehmen in Deutschland ausmachen) ein bevorzugtes Kreditinstitut, das regional verortet ist. Die Treue zu dieser einen Hausbank ist groß: durchschnittlich hat eine Geschäftsverbindung 20 Jahren bestand.

Die Verbundenheit zur Hausbank hat Vorteile: Unternehmen und Bank kennen sich sehr gut und es besteht ein Vertrauensverhältnis. Die Bank kann die Investitionsvorhaben und Kreditanfragen seiner Firmenkunden besser nachvollziehen. Viele Mittelstandsfinanzierungen beruhen auf diesem Hausbankprinzip.

Das Volumen der vergebenen Kredite war 2019 so hoch wie nie zuvor. Laut KfW Mittelstandspanel 2020 haben kleine und mittelständische Betriebe (KMU) 81 Milliarden Euro bei Sparkassen und Banken aufgenommen. Das entspricht einem Plus von 8,5 % im Vergleich zum Vorjahr. Das dürfte vor allem an den guten Finanzierungsbedingungen liegen. Das Zinsniveau ist weiterhin historisch niedrig.

Jedoch lässt sich auch beobachten, dass die Zahl der Kreditnehmer auf 485.000 Unternehmen sank, ein Rückgang von 15,4 % im Vergleich zu 2018. Gleichzeitig stieg das durchschnittliche Volumen der Darlehen merklich an.  Was bedeutet das? Weniger Unternehmen nehmen  Kredite mit einem höheren Volumen auf.

Auch der Kreditzugang war in 2019 überwiegend gut. Die Kreditablehnungsquote stieg im Vergleich zum Vorjahr nur leicht von 11 auf 12 %. Gleichzeitig wuchs der Anteil der Eigenablehnungen der Unternehmen nach der Vorlage eines Kreditangebots auf 25 %. Für die KfW ein Anzeichen dafür, dass alternative Finanzierungsmodelle die Verhandlungsposition von KMU gestärkt haben und viele Unternehmen mittlerweile die Wahl haben zwischen verschiedenen Finanzierungsangeboten.

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Herausforderungen der klassischen Kreditfinanzierung für Banken und Unternehmen

Die Unternehmensfinanzierung der Unternehmen in Deutschland steht auf einem soliden Fundament. Dass es dabei bleibt, ist aber nicht ausgemacht. Dafür gibt es verschiedene Gründe:

  • Laut KfW Mittelstandspanel 2020 führen Unternehmen weniger Kreditverhandlungen. Die Zahl ging im 5. Jahr in Folge zurück.  Die KfW führt das darauf zurück, dass die Unternehmen sich finanzielle Unabhängigkeit wünschen. Sie haben außerdem Sorgen vor einem zu hohen Aufwand und den Anforderungen an Offenlegung und Dokumentation.
  • Der Kapitalzugang insgesamt ist seit der Finanzkrise 2009 wesentlich restriktiver geworden. Die Basel-III-Regulierungen und deren Finalisierung haben die Eigenkapitalanforderungen der Banken sukzessive erhöht.
  • Laut des Bundesbank Lending Surveys  aus dem Oktober 2020 verschärfen Banken ihre Kreditlinien bei der Vergabe von Unternehmenskrediten – trotz steigender Kreditnachfrage seitens der Unternehmen.
  • Der Mittelstand übt zunehmend Kritik an den starren, bürokratischen und langwierigen Prozessen der Banken. Ein wettbewerbsfähiges Digitalangebot ist für ihn unabdingbar. KMU wünschen sich individuellere und flexiblere Finanzierungslösungen. Zahlreiche Studien und Umfragen belegen dies, wie z. B. von Roland Berger oder Bearing Point.
  • Laut Bundesbank nimmt die Bedeutung der Fremdkapitalfinanzierung insgesamt ab. Unternehmen setzen hingegen – verstärkt durch die anhaltend gute wirtschaftliche Lage – auf Eigenkapital und die damit verbundene Innenfinanzierung.
  • Das Institut für Wirtschaft hat ermittelt, dass der Anteil der kurz- und langfristigen Bankfinanzierung seit Jahren sinkt.

Unternehmen stellen Anforderungen an Banken bei der Finanzierung

Banken haben bei der Kreditfinanzierung mit diesen Gründen seitens der Unternehmen zu tun. Laut dem  ibi Research Report der Universität Regensburg  fordern KMU in allen Bereichen des Bankwesens nach digitalen Finanzdienstleistungen.

Doch insbesondere im Kreditbereich fehlt es an effizienten und automatisierten Prozessen und an Digitalisierung. Lange Wartezeiten, an Papier gebundene und auf regen Austausch bedachte Abläufe sind in einer sich schnell entwickelnden Wirtschaft nicht mehr zeitgemäß. Hier setzten sich digitale Prozesse nur langsam durch.

Die Corona-Pandemie ist hierfür das beste Beispiel. Schon beim ersten Lockdown im März dauerte das Durchreichen der Kredite zu lange und zog sich bis in den Sommer. Vor allem  bei den Hausbanken hakte es die von der Bundesregierung genehmigten Mittel auch bei der zuständigen KfW abzurufen. Dadurch geriert die Unternehmensfinanzierung unter Druck.

Demgegenüber besteht laut ibi Research Report bei mehr als der Hälfte der mittelständischen Unternehmen eine Nachfrage nach vollständig digitalisierten Prozessen  – und das bereits vor der Corona-Krise.

Dabei kann die Digitalisierung und die damit verbundenen automatisierte Prozesse im Firmenkundengeschäft der richtige Ansatz sein, da Unternehmenskunden extrem heterogen sind. Sie haben verschiedene Finanzierungsbedingungen und bringen unterschiedliche Voraussetzungen mit.

Auf diese Diversität müssen Banken eingehen. Sie agieren innerhalb einer Gemengelage aus steigenden regulatorischen Hürden vonseiten nationaler und europäischer Aufsichtsbehörden und immer größeren Anforderungen bezüglich reibungsloser und digitaler Prozesse vonseiten der Unternehmen.

4. Finanzierungsumfeld der Unternehmen

Das Finanzierungsumfeld für Unternehmen in Deutschland ist positiv. Doch seit einigen Jahren ist ein Trend erkennbar, der von der klassischen Kreditfinanzierung und hin zum Aufbau alternativer Finanzierungsstrukturen führt.

Bereits 2015 hat die Europäische Union ein Papier erarbeitet, das den europaweiten Kapitalmarkt harmonisieren soll. Schon dieser Entwurf zeigte, wohin es in Zukunft gehen soll: die Unternehmensfinanzierung weniger an Banken auszurichten, sondern am Kapitalmarkt. Hier ist die Politik entschlossen, das Thema konsequent umzusetzen.

Im Grünbuch Schaffung einer Kapitalmarktunion skizziert die Europäische Kommission   die Ziele, die damit erreicht werden sollen:

  • mehr Investitionen für Unternehmen mobilisieren
  • mehr Investitionen von außerhalb in die EU lenken
  • das Finanzsystem durch die Erschließung einer breiteren Palette an Finanzierungsquellen zu stabilisieren
  • ein besserer Zugang zu Finanzmitteln für Unternehmen

Die EU erklärt, das „stärkere Kapitalmärkte die Banken als Finanzierungsquelle ergänzen würden“ und das Europa nach wie vor stark abhängig von der Bankfinanzierung sei. Mit der Schaffung einer Kapitalmarktunion soll diese Abhängigkeit  Schritt für Schritt abgebaut werden.

Unternehmensfinanzierung ohne Bank im Fokus

Die bankenunabhängige Finanzierung vor dem Hintergrund einer Vereinheitlichung der Kapitalmärkte war und ist ein Treiber dessen.  Die im Oktober verabschiedete Verordnung European Crowdfunding Service Provider zeigt das exemplarisch. Sie stellt Unternehmen einen effizienten Rahmen für den Zugang zu alternativen Finanzierungsquellen und damit Fremdkapital, Eigenkapital oder Mezzanine-Kapital bereit.

Für die Einleitung dieser Maßnahmen hat die EU gute Gründe. Hier ist der steigende Wunsch nach einer Innenfinanzierung der Unternehmen zu nennen. Seit Ende der 90er-Jahre entwickelt sich die Eigenkapitalquote stetig nach oben und erreichte 2017 in Deutschland einen Höhepunkt von knapp 32 %. In Kombination mit dem genannten  Rücklauf der kurz- und langfristigen Kreditverbindlichkeiten verzeichneten die Unternehmen eine immer bessere Kapitalstruktur.

Laut der Ratingagentur Euler Hermes gibt es zudem ein steigendes Interesse an Kapitalmarktfinanzierungen. Das zeigt sich an der wachsenden Zahl von Anleiheemissionen und dem Anstieg der Corporate Schuldschein-Transaktionen, die sich zwischen 2004 und 2017 mehr als versechsfacht haben.

Das Interesse der KMU, sich am Kapitalmarkt über Eigenkapital zu finanzieren, trifft gleichzeitig auf Investoren, die im Niedrigzinsumfeld nach  attraktiven Asset-Klassen und Chancen suchen. Diese Bestrebungen und Entwicklungen treffen auf erschwerte Finanzierungsbedingungen für kleine und mittelständische Unternehmen.

Schwieriges Umfeld für  Finanzierungen

Seit der Finanzkrise 2008 befindet sich die Bankenbranche im Umbruch. Besonders in Europa ist sie einer strengeren Regulierung unterworfen. Banken stellen höhere Eigenkapitalanforderungen an Unternehmen, wobei gerade kleine und mittelständische Betriebe besonders hart von diesen Vorgaben betroffen sind.

Die steigenden Finanzmarktregulierungen zeigen sich in Kredit- und Angebotsbeschränkungen seitens der Banken. Damit einhergeht eine Fülle von Hürden:

  • eine potenziell steigende Volatilität der Risikopositionen wirkt sich negativ auf das Rating von Unternehmen aus
  • steigende Refinanzierungskosten der Banken durch höhere Eigenkapitalhinterlegungen
  • der Kreditrisikostandardansatz ist weniger risikosensibel und dadurch teurer für Banken
  • umfangreiche Informations- und Dokumentationspflichten

Alles das trifft die Banken in einer Zeit des Umbruchs und der Umstellung auf digitale Geschäftsmodelle. Die Geschäfts- und Ertragsziele der meisten Banken stehen ohnehin unter Druck und tragen zu einer strengeren und optimierten Kapitalzuordnung (Allokation) bei.

Basel IV legt den Schwerpunkt zudem auf die neu zu berechnenden Kapitalquote für Banken. Hierzu zählt die Bemessung der Risikopositionen einer Bank im Kredit-, Markt-, Kontrahenten und operationellen Risiko.

Kapitalmarktfinanzierung wird durch digitale Instrumente wirtschaftlich rentabel

Die anhaltende Unsicherheit im Bankbereich sowie der strukturelle Wandel der gesamten Finanzbranche führen dazu, dass Unternehmen sich Kapitalmarktfinanzierungen hinwenden. Diese Entwicklung ist neu. Denn bisher war es für Unternehmen erst ab einem Volumen von zehn Millionen Euro wirtschaftlich sinnvoll diesen Weg einzuschlagen. Kleinere Emissionen waren schlicht nicht rentabel genug. Die Kosten für Rechtsdokumente, Prospekte, Verwaltungs- und Marketingkosten waren zu hoch und summierten sich schnell auf 1,5 bis 2 % der benötigten Summe.

Die Digitalisierung hat das grundlegend geändert. Mit dem Aufkommen digitaler Finanzierungsformen erhalten Unternehmen einen wirtschaftlich sinnvollen Kapitalzugang. Denn sie reduzieren die Initialkosten um bis zu 90 %. Für Unternehmen ergeben sich damit neue Möglichkeiten.

5. Die digitale Unternehmensfinanzierung

Automatisierung, Echtzeit-Prüfungen, Schnelligkeit und Effizienz: Die digitale Unternehmensfinanzierung setzen genau an diesen Punkten an. Sie sorgt dafür, dass Unternehmen einen effizienten und kostengünstigen Zugang zum Kapitalmarkt erhalten.

Gerade in einer globalisierten Wirtschaft ist der schnelle und unkomplizierte Zugang zu Kapital entscheidend, um Investitionen zu finanzieren und im internationalen Wettbewerb zu bestehen.

Für Unternehmen bieten die Vielzahl an digitalen Finanzdienstleistern und Finanztechnologien große Potenziale. Kleine und mittelständische Unternehmen können mit ihrer Hilfe ihre Finanzierungsstruktur diversifizieren und schneller an Kapital gelangen. Besonders der Punkt der Schnelligkeit ist in Krisenzeiten entscheidend, um Liquiditätsengpässe mithilfe von frischem Kapital zu überbrücken.

Andreas Houben

Targobank

"Die Angebote der meisten Kreditinstitute sind in puncto Service und Schnelligkeit ausbaufähig."

Wie bereits erläutert, geht der Gang vieler Unternehmen erst einmal zur Hausbank. Dort werden lange Wartezeiten in Kauf genommen und schließlich ist man erleichtert, wenn die Kreditzusage folgt. Allerdings verzichten Firmen dabei auf lukrative Einsparmöglichkeiten, wie sie beispielsweise Vergleichsplattformen möglich machen.

Solche Plattformen bieten den Unternehmen die Möglichkeit, die Kreditbedingungen verschiedener Banken und Sparkassen miteinander zu vergleichen.  Dazu verschicken sie Kreditanfragen gleichzeitig an mehrere Banken. Das erhöht nicht nur den Wettbewerb unter den Banken, sondern schafft höhere Chancen auf eine Kreditzusage für das kapitalsuchende Unternehmen. Firmenkredite können so bequem digital angefragt und verglichen werden.

Durch die Digitalisierung treffen Unternehmen selbst die  Entscheidung, welche Finanzierung durch Fremdkapital für sie in Frage kommt. Sie suchen sich die für sie passende Lösung aus. KMU verschaffen sich damit  eine bessere Verhandlungsposition, während Banken durch den neuen Wettbewerb sich ständig weiterentwickeln müssen.

Digitale Kreditvergabe oder eigenständige Emission

Viele kleine und mittelständische Unternehmen wissen allerdings noch nichts von dieser Möglichkeit. Mittlerweile lässt sich eine Vielzahl von Finanzprozessen digital abbilden. Das erfolgt unkompliziert, schnell und ist ohne technisches Vorwissen möglich. Der gesamte Kreditprozess – von der Anfrage über die Bonitätsprüfung  bis zur Kreditauszahlung – ist vollständig digitalisiert.

Doch das ist nicht nur bei der Kreditvergabe möglich. Kleine und mittelständische Betriebe können auch mit der Ausgabe eigener Emissionen an den Kapitalmarkt herantreten: Jedes Finanzprodukt kann digital angeboten werden. Dabei entscheiden Unternehmen selbst, zu welchen  Konditionen und Bedingungen das erfolgt und ob es sie es in Eigenregie oder in Kooperation mit einer Plattform durchführen.

In diesem Zuge können sie sich neue Technologien zunutze machen, die auf der Blockchain basieren und eine Teilnahme am Kapitalmarkt so einfach und günstig wie nie abbilden. Das Stichwort lautet Tokenisierung von Vermögenswerten.

Treten Firmen selbstständig an den Kapitalmarkt heran oder tun dies über entsprechende Digitalplattformen, bleiben Intermediäre wie Banken außen vor. Die Kapitalnehmer wenden sich direkt und unmittelbar an ihre Kapitalgeber und generieren Fremd- oder Eigenkapital.

ECSP: Digitale Kreditvergabe in Deutschland erstmals ohne Bank möglich

Bei Kreditprozessen war das bisher nicht der Fall. Dabei musste eine Bank zwischengeschaltet sein. Das machte den Prozess jedoch auch vergleichsweise teuer und aufwendig. Mit der  European Crowdfunding Service Provider Verordnung (ECSP) ändert sich das. Diese Neuregelung kann den Kapitalmarkt nachhaltig beeinflussen. In Deutschland war dies bisher aus regulatorischen Gründen nicht möglich. Denn künftig dürfen erstrangige Kredite unmittelbar über eine Plattform mit ECSP-Lizenz geschlossen werden – ohne dass eine Bank an der Kreditvergabe mitwirken muss. Das ist bei einem Emissionsvolumen bis fünf Millionen Euro möglich.

Ob Kreditvergabe über eine digitale Plattform oder eigenständige Kapitalaufnahme mittels Emission: Diese Art der Finanzierungen erweitert den Handlungsspielraum von Unternehmen. Sie sind nicht mehr von einer einzelnen Finanzierungsquelle abhängig, sondern können zwischen verschiedenen Möglichkeiten wählen.

Digitale Unternehmensfinanzierung: flexible Bedingungen für Unternehmen

Unternehmen können eine digitale Finanzierung nach eigenen Bedingungen durchführen und alle dafür notwendigen Konditionen – wie z. B. Mitarbeiter- oder Bürgerbeteiligung, Ausgestaltung, Laufzeit, Zinssatz, Tilgung – selbst festlegen. Das macht ihre Vorgehensweise unabhängiger und sie können sich individuell anpassen.  So lassen sich flexible Finanzierungsstrukturen sicherstellen.

Das hat jedoch nicht zur Folge, dass der Bankkredit ersetzt wird. Eine digitale Finanzierung kann ihn vielmehr ergänzen oder überhaupt dafür sorgen, dass ein Kredit vergeben wird, da die Eigenkapitallücke darüber geschlossen werden kann.

 Digitale Unternehmensfinanzierung und ihre Anwendung

Bei  digitalen Finanzierungen treten Unternehmen direkt an Kapitalgeber (Investoren) heran. Diese Investoren finden sie in ihren eigenen Netzwerken und ihnen kann die Emission angeboten werden. Dazu zählen Lieferanten ebenso wie Dienstleister, Partner oder die Belegschaft. Hier schlummert das Potenzial zur alternativen Unternehmensfinanzierung.

Crowdfunding

Schwarmfinanzierungen (Crowdfunding) sind das Vehikel, unter dem sich der Prozess der eigenständigen digitalen Kapitalaufnahme subsumieren lässt. Bei der Wahl und Ausgestaltung des Finanzinstruments können Unternehmen selbst entscheiden, wie sie Kapital emittieren möchten. Beim Crowdfunding geht es darum, dass ein Projekt oder Unternehmen von vielen Einzelanlegern mit vergleichsweise kleinen Kapitalbeträgen finanziert wird. Die Investition erfolgt dabei ausschließlich online über eine Plattform oder mit einer eigenen Website.

Crowdinvesting

Im Laufe der Jahre haben sich unterschiedliche Crowdfunding-Formen entwickelt. Eine davon ist Crowdinvesting. Dabei beteiligen sich Einzelanleger finanziell oder wirtschaftlich an einem Unternehmen oder Projekt, wobei der Renditeaspekt eine wesentliche Rolle spielt. Crowdinvesting hat sich mittlerweile als Finanzierungsinstrument etabliert und wird vor allem im Mittelstand über alle Branchen hinweg genutzt.

Crowdlending

Für Unternehmen außerdem relevant: Crowdlending. Der Prozess dabei sieht wie folgt aus: Ein Unternehmen benötigt Kapital und macht den Anlegerinnen und Anlegern über eine Digitalplattform ein Angebot. Er legt z. B. Zinsen und Laufzeit fest. Nun investieren die  Anlegerinnen und Anleger und überweisen damit das Geld an eine beauftragte Partnerbank. Diese reicht das investierte Kapital als Kredit an das Unternehmen weiter und verkauft schließlich die Forderung, die sie an das Unternehmen hat, wieder an die Anleger. Die Plattform vermittelt zwischen den Parteien und sorgt für eine reibungslose Abwicklung.

Neben den genannten Crowdfunding-Arten gibt es für Unternehmen noch weitere alternative Finanzierungsformen wie Factoring oder Leasing.  Die Digitalisierung von Finanzdienstleistungen macht das möglich.

Crowdinvesting Deutschland

Was macht die digitale Unternehmensfinanzierung richtig?

Diese neuen digitalen Möglichkeiten führen, dass Banken in der Fremdkapitalbereitstellung an Unternehmen an Bedeutung verlieren. Eine digitale Unternehmensfinanzierung, die die Bankfinanzierung ergänzt oder teilweise ersetzt, ist aufgrund der Umstände, die sich derzeit am Markt herausbilden, wahrscheinlicher geworden.

Für Banken ist das Firmenkundengeschäft weiter attraktiv. Das Kreditgeschäft wächst seit Jahren. Zwar nur schwach, aber es wächst. Jedoch hat die Konkurrenz in den vergangenen Jahren deutlich aufgeholt und eine neue Vielfalt an Angeboten am Markt etabliert. Unternehmen greifen darauf zurück. Die Finanzierungsstruktur ihrer Vorhaben hat sich diversifiziert.

Sie besteht nicht mehr nur alleine aus einem kleinen Anteil Eigenkapital und einem großen Anteil Fremdkapital. Mezzanine-Kapital ist als weitere Komponente der Unternehmensfinanzierung hinzugekommen. Außerdem wandelt sich das Verhältnis zwischen Eigen- und Fremdkapital.

Die Digitalisierung sorgt dafür, dass sich der Markt der Unternehmensfinanzierungen weiter diversifiziert. Sie rückt den Kunden und seine Bedürfnisse in den Fokus, unabhängig von jeder Branche. Die digitale Unternehmensfinanzierung hat das erkannt und die Dienstleister dieses Segments richten ihre Angebote konsequent daran aus. Sie denken ihr Geschäft von der Kundenseite her.

6. Regulatorik: Was ist die rechtliche Grundlage?

In welchem Rechtsrahmen bewegen sich Unternehmen, die mit einer Schwarmfinanzierung an den Kapitalmarkt herantreten? Diese Finanzierungsart ist im Kleinanlegerschutzgesetz (KASG) geregelt, das im Juli 2015 in Kraft trat und im Sommer 2019 erweitert und evaluiert wurde.

Anlegerinnen und Anleger, die keine Kapitalgesellschaft sind, dürfen maximal 25.000 Euro pro Emission investieren. Hingegen dürfen Emittenten (Unternehmen) im Bereich der Vermögensanlagen in 12 Monaten maximal sechs Millionen Euro emittieren, im Bereich von Wertpapieren maximal acht Millionen Euro.

Finanzierung mit Vermögensanlagen & Genussrechten

Beim Crowdinvesting können sich Unternehmen über Vermögensanlagen oder Wertpapieren finanzieren. Diese Finanzinstrumente fassen jeweils verschiedene Finanzprodukte zusammen. Im Bereich der Vermögensanlagen sind die gängigsten Finanzprodukte:

  • Festverzinsliche Nachrangdarlehen (§ 1 Abs. 2 Nr. 4 VermAnlG) – Anleger erhalten eine Zinszahlung für ihre Investition
  • Partiarische Nachrangdarlehen (§ 1 Abs. 2 Nr. 3 VermAnlG) – Anleger sind am Erfolg der Vermögensanlage (Gewinn, Unternehmenswert, Umsatz) beteiligt
  • Genussrechte – Anleger beteiligen sich variabel am Unternehmenserfolg oder -verlust

Die regulatorischen Anforderungen

  • Unternehmen dürfen maximal bis zu sechs Millionen Euro in 12 Monaten einwerben. Dazu müssen sie kein mehrseitiges Verkaufsprospekt erstellen, sondern lediglich ein dreiseitiges Vermögensanlageninformationsblatt (VIB)
  • Möchte ein Unternehmen mehr als sechs Millionen Euro innerhalb von 12 Monaten einwerben, dann ist Prospekt dazu notwendig
  • Möchte ein Unternehmen weniger als 100.000 Euro einwerben, dann ist weder Verkaufsprospekt noch VIB notwendig. Diese Emission kann beliebig oft wiederholt werden und muss sich lediglich in den Konditionen (Laufzeit oder Zinssatz) von anderen Emissionen unterscheiden

Beim festverzinslichen und partiarischen Nachrangdarlehen erhalten Unternehmen von den Investoren Mezzanine-Kapital. Das ist wirtschaftliches Eigenkapital und wird als solches auch von Banken anerkannt.

„Nachrang“ bedeutet im Zusammenhang mit diesen Darlehensformen, dass die Forderung des Gläubigers bei Insolvenz oder Liquidation den anderen Gläubigern im Rang nachgestellt ist. Das heißt konkret: Andere Gläubiger (etwa Banken) können zuerst Ansprüche im Falle einer Insolvenz stellen, weshalb es auch zu einem Totalausfall des investierten Kapitals für Privatinvestoren kommen kann.

Auch das Genussrecht ermöglicht Unternehmen eine Mezzanine-Finanzierung. Da es keine gesetzliche Definition für Genussrechte bei Schwarmfinanzierungen gibt, ermöglicht dieses Finanzprodukt vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten in Sachen Laufzeit oder Liquiditätsbeteiligung.

Finanzierung mit Wertpapieren

Beim Crowdinvesting können sich Unternehmen auch über Wertpapiere finanzieren. Hier sind die gängigsten Finanzprodukte:

  • Namensaktien: Anleger erhalten eine Erfolgsbeteiligung in Form einer Dividende
  • Genussschein: Anleger beteiligen sich am Erfolg oder Verlust des Unternehmens
  • Inhaberschuldverschreibung: Anleger erhalten ein festverzinsliches Wertpapier (Anleihe) mit einer festgelegten Zinszahlung

Möchten Unternehmen Wertpapiere nutzen, müssen sie bestimmte regulatorische Anforderungen erfüllen. Dazu gehören:

  • Unternehmen dürfen maximal bis zu acht Millionen Euro in 12 Monaten einwerben. Dazu müssen sie kein mehrseitiges Verkaufsprospekt erstellen, sondern lediglich ein dreiseitiges Wertpapierinformationsblatt (WIB).
  • Möchte ein Unternehmen mehr als acht Millionen Euro innerhalb von 12 Monaten einwerben, dann ist ein Verkaufsprospekt notwendig.
  • Möchte ein Unternehmen weniger als 100.000 Euro einwerben, dann ist weder Verkaufsprospekt noch WIB notwendig. Diese Emission kann beliebig oft wiederholt werden und muss sich lediglich in den Konditionen (Laufzeit und Zinssatz) voneinander unterscheiden.

Bei der Namensaktie erhalten Unternehmen Eigenkapital, der Genussschein stellt Mezzanine-Kapital zur Verfügung, das auch als Fremdkapital ausgestaltet sein kann. Beim Genussschein handelt es sich um ein verbrieftes Genussrecht. Bei der Inhaberschuldverschreibung investieren die Anleger Fremdkapital.

7. Die digitale Unternehmensfinanzierung in der Praxis

Digitale Unternehmensfinanzierungen werden schon auf vielfältige Art und Weise eingesetzt – und das mit Erfolg. Im Folgenden gehen wir auf drei Beispiele ein, die digitale Finanzinstrumente im Kontext von Wachstums-, Projekt- und Unternehmensfinanzierungen zeigen.

Sie erfahren etwas über die Ausgangslage und die Herausforderungen, mit denen sich diese Unternehmen beschäftigt haben. Und schließlich, wie digitale Finanzierungsformen erfolgreich mit CrowdDesk eingesetzt wurden.

Sono Motors GmbH – Wachstumsfinanzierung

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Ausgangssituation

Sono Motors hatte großen Kapitalbedarf, um die Serienproduktion seines Solarzellen-Autos „Sion“ weiter voranzutreiben.

Herausforderung

Sono Motors konnte sich mit institutionellen Investoren über eine weitere Finanzierungsrunde einigen. Sie wollten deshalb das Kapital über die eigene Community und digitale Finanzinstrumente einwerben.

Ergebnis

Das Münchner Start-up sammelte über verschiedene digitale Finanzierungen mehr als 53 Millionen Euro in gerade einmal 50 Tagen ein, z. B. mittels qualifiziertem Nachrangdarlehen knapp 2,5 Millionen Euro. Dazu gab es kostenlos einen enormen Marketing-Effekt für das Unternehmen und seine Produkte dazu.

enyway GmbH – Projektfinanzierung

Ausgangssituation

Die enyway GmbH hatte Kapitalbedarf, um ein Waldprojekt zur Wiederaufforstung (CO2-Kompensation) zu finanzieren.

Herausforderung

Um die Finanzierung durchzuführen, war enyway auf der Suche nach einer technischen Lösung, die sich nahtlos in die bestehenden Prozesse integrieren lässt.

Ergebnis

enyway erreichte sein Ziel innerhalb weninger Wochen und sammelte 688.000 Euro über digitale Finanzinstrumente ein. Das nächste Projekt ist derweil schon wieder in der Finanzierung.

Africa GreenTec AG – Unternehmensfinanzierung

Ausgangssituation

Die Africa GreenTec AG wollte seine Liquidität erhöhen, um die Umsetzung der Unternehmensstrategie voranzutreiben.

Herausforderung

Dazu war das Unternehmen auf der Suche nach einer Lösung, die einfach umsetzbar und effizient ist. Außerdem wollte Africa GreenTec seine Community aktiv am Unternehmen beteiligen.

Ergebnis

Africa GreenTec setzte eine eigene digitale Finanzierung auf und hat bis dato rund 1,6 Millionen Euro über Genussrechte eingesammelt, die den Anlegerinnen und Anlegern eine direkte Wertsteigerung am Unternehmen sichern.

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