CrowdDesk heißt jetzt portagon.

Mehr dazu erfahren

Das Kleinanlegerschutzgesetz und die Crowd

Lesedauer: 4 Minuten

Veröffentlicht am 11. Juli 2019
Das Kleinanlegerschutzgesetz (KASG) regelt Schwarmfinanzierungen in Deutschland. Es setzt die Regelungen für Emittent:innen und Privatanleger:innen fest und gibt Crowdfunding-Plattformen einen gesetzlichen Rahmen. Wir haben alle Informationen zum KASG für Sie auf einen Blick zusammengestellt. 

Im Zuge der Evaluierung des Kleinanlegerschutzgesetzes (KASG) passte die Bundesregierung im Sommer 2019 wichtige Eckpunkte des in 2015 verabschiedeten Gesetzes an.  

 Die Anpassungen erweitern vor allem prospektbefreite Emissionen (Schwarmfinanzierungen) nach § 2a Vermögenanlagengesetz (VermAnlG). Grundsätzlich lässt sich die Regulierung in drei Phase einteilen:  

  1. Vor 2015: Keine Regulierung von Schwarmfinanzierungen auf dem Grauen Kapitalmarkt 
  2. Von 2015 bis 2019: Einführung des Kleinanlegerschutzgesetzes und damit erstmals Regulierung
  3. Seit Juli 2019: Evaluierung des KASG, die Schwarmfinanzierungen regulatorisch weiter begünstigte 

Folgend erfahren Sie mehr zu den wichtigsten Änderungen des KASG sowie eine Einordnung von Schwarmfinanzierungen und der Evaluierung des Gesetzes. 

Aktuelle Situation: Der Markt für Schwarmfinanzierungen wächst

Schwarmfinanzierungen (Crowdfunding) sind eine noch junge Finanzierungsform, bei der sich eine große Anzahl (überwiegend) privater Kapitalanleger:innen mit kleineren Geldbeträgen an Projekten beteiligen.  

Crowdfunding hat unterschiedliche Formen, wie z. B. Crowdinvesting. Privatanleger:innen beteiligen sich wirtschaftlich an Projekten und erhalten im Gegenzug eine Rendite in Form von Zinsen. Die Zusammenführung von Investor:innen und Unternehmen (Emittent:innen) erfolgt ausschließlich digital über eine Internetplattform. 

Crowdinvesting hat sich in Deutschland als digitale Finanzierungsform für Unternehmen in vielen Branchen etabliert. Im Zeitraum von 2011 bis 2019 investieren Privatanleger:innen mehr als 1,1 Milliarden Euro über Crowdinvesting in Firmen und Projekte. Alleine in 2019 betrug das Volumen 422 Millionen Euro. Der Markt wächst beständig mit mehr als 100 % pro Jahr.  

Welche Bereiche dominierten den Bereich der Schwarmfinanzierungen insbesondere?  

Prof. Dr. Lars Hornuf

Universität Bremen

„Wachstumstreiber war vor allem die Immobilienfinanzierung, bei der die Insolvenzen vergleichsweise gering und die Rückzahlungen in der Regel nach kürzeren Zeitperioden erfolgen“

Vor 2015: Die Einführung des Kleinanlegerschutzgesetzes

Die Ursprünge des Kleinanlegerschutzgesetzes waren in der Pleite der PROKON AG im Jahr 2014 begründet. Das Energieunternehmen sammelte damals Kapital von Privatanleger:innen ein, ging pleite und musste schließlich Insolvenz anmelden. Viele Anleger:innen verloren daraufhin ihr eingesetztes Geld.  

Aufgrund dieser Erfahrung war der Gesetzgeber verpflichtet, Schwarmfinanzierungen zu regulieren. 2015 erließ die damalige Bundesregierung deshalb das Kleinanlegerschutzgesetz.  

„Das KASG war eine erstmalige nationale Regulierung von Schwarmfinanzierung und damit der gesamten Branche“, erklärt Dr. Ferdinand Unzicker, Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht.  

Kleinanlegerschutzgesetz: Rechtslage von 2015 bis Juli 2019

Ab 2015 waren digitale Finanzierungsformen über die Crowd erstmals reguliert. Der Markt entwickelte sich daraufhin positiv weiter. Einer der Gründe für diese positive Entwicklung ist auch die seither geltende Befreiung der Prospektpflicht für Unternehmen, die auf Crowdinvesting zur Kapitalbeschaffung zurückgreifen.  

Anstatt eines Prospekts reichen Unternehmen bis zu bestimmten Volumina ein Vermögensanlagen-Informationsblatt (VIB) ein. Die Voraussetzungen zur Nutzung der Prospektpflichtbefreiung waren jedoch eng gesteckt. So galt von 2015 bis 2019, dass 

 

  • Emittent:innen max. 2,5 Mio. Euro auf diesem Weg zur Zeichnung anbieten dürfen (diese Limitierung ist hierbei ohne zeitliche Beschränkung versehen),  
  • ausschließlich (festverzinsliche und partiarische) Nachrangdarlehen und sonstige Anlagen gemäß § 1 Abs. (2) Nr. 7 VermAnlG genutzt werden können, 
  • Anleger:innen nur über eine Internet-Dienstleistungsplattform das Angebot im Zuge der Anlegervermittlung beziehungsweise -beratung zeichnen dürfen. Sprich: der Emittentierende muss einen unabhängigen Vermittler einschalten, 
  • Anleger:innen, die keine Kapitalgesellschaft sind, maximal 10.000 Euro pro Emittent:in investieren dürfen. 

Kleinanlegerschutzgesetz: Rechtslage seit Juli 2019

Seit der KASG-Einführung 2015 haben sich der Markt für Schwarmfinanzierung in Deutschland stetig professionalisiert, wobei sich auch die Volumina erhöhten. Deshalb beurteilte die von Union und SPD geführte Bundesregierung die Rechtsgrundlage im Sommer 2019 neu passte das Gesetz an seine Entwicklung an.  

Die Evaluierung des Gesetzes führt zu wesentlichen Anpassungen für Schwarmfinanzierungen: 

  • Im Bereich der Vermögensanlagen dürfen Emittent:innen bis zu sechs Mio. Euro prospektfrei in einem Zeitraum von 12 Monaten anbieten. Tilgungen oder nicht platzierte Emissionsvolumina werden bei dem Maximalvolumen nicht berücksichtigt. 
  • Im Bereich der Wertpapiere dürfen Emittent:innen bis zu acht Mio. Euro prospektfrei in einem Zeitraum von 12 Monaten anbieten. 
  • Neben den bisher erlaubten Vermögensanlagen sind nun auch Genussrechte als eigenkapitalähnliches Finanzinstrument zur Nutzung erlaubt. 
  • Anleger:innen, die keine Kapitalgesellschaft sind, dürfen nun maximal 25.000 Euro pro Emittent:in investieren. 

Weiterhin bleibt eine „maßgebliche Interessenverflechtung“ verboten. Daraus lässt sich die Pflicht für Emittent:innen ableiten, einen unabhängigen Vermittler einschalten zu müssen, um die Prospektbefreiungen in Anspruch nehmen zu können. 

Die Evaluierung des Kleinanlegerschutzgesetzes war für die Branche ein großer Schritt. Sie zeigte die Bedeutung, die der Gesetzgeber digitalen Finanzierungsmöglichkeiten mittlerweile beimaß.  

Digitale Finanzierungen rücken in den Fokus

Die im Juli 2019 gefasste Evaluierung des KASG führt für alle involvierten Akteure zu mehr Handlungsspielraum. Der Gesetzgeber zeigte damit, dass kapitalmarktbezogene Unternehmensfinanzierungen gefördert und gegenüber klassischen Bankfinanzierungen attraktiver gemacht werden sollen. Das zahlt auf die EU-Strategie einer gemeinsamen europäische Kapitalmarktunion ein.   

Die Änderungen des KASG erfordern nun von Anbieter- und Emittentenseite ein noch professionelleres Verhalten, da die Marktpräsenz steigt. Die Branche hat es in der Hand, wie sich ihre Zukunft weiterentwickelt.  

Dazu muss es gute Produkte am Markt geben, wodurch Anleger:innen und Unternehmen Vertrauen in digitale Finanzierungs- und Anlagemöglichkeiten gewinnen. Nur so kann sich die positive Entwicklung bei Schwarmfinanzierungen fortsetzen.   

KASG erfordert professionelles Verhalten 

Denn gerade die Erhöhung der Einzelanlageschwellen spricht wesentlich breitere Anlegerkreise an, wodurch negative Entwicklungen mit Totalausfällen mehr Skandalpotenzial haben.  

Deshalb müssen Privatanleger:innen in der Lage sein, eine transparente Anlageentscheidung zu treffen. Plattformen müssen bei der Projektauswahl auf Professionalität und Plausibilität achten. 

Die Branche der digitalen Finanzierungen hat es selbst in der Hand, für neue Standards und für eine positive Wahrnehmung am Kapitalmarkt zu sorgen.  

Sie wollen mehr zum Thema Crowdinvesting und alternative Finanzierungsformen erfahren? In unserem Whitepaper haben wir für Sie das Wichtigste zusammengefasst.

Jetzt Whitepaper sichern

Wie hat Ihnen dieser Beitrag gefallen?

Durchschnittliche Bewertung 5 / 5. Anzahl der Bewertungen 2

Es tut uns leid, dass dieser Beitrag für Sie nicht nützlich war!

Verbessern Sie diesen Beitrag!

Was hat Ihnen nicht gefallen? Was können wir verbessern?