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Crowdinvesting und Steuern: Das müssen Sie beachten

Lesedauer: 2 Minuten

Crowdinvesting Steuern
Veröffentlicht am 24. Juni 2021
Anleger:innen und Unternehmen müssen bei einem Crowdinvesting bestimmte steuerliche Anforderungen berücksichtigen. Wie alternative Finanzierungsinstrumente oder Kapitalanlagen steuerrechtlich behandelt werden, erläutert Rolf Martin, Steuerberater und Fachberater für internationales Steuerrecht, im Gastbeitrag. Er ist Partner bei der Nau Steuerberater Partnerschaft mbB in Frankfurt am Main.

Wenn Anleger:innen im Crowdinvesting aktiv sind, müssen sie bestimmte steuerrechtliche Regelungen beachten. An das Thema lässt sich mit zwei Fragen herangehen:

  1. Wie ist die steuerliche Lage im Erfolgsfall?
  2. Wie sieht die steuerliche Lage bei Misserfolg aus?

Folgend gehen wir aus Sicht von Privatanlegern auf beide Fälle und ihre steuerlichen Auswirkungen ein. Abschließend erfahren Sie, welche Steuerregelungen für kapitalnehmende Unternehmen (Emittenten) relevant sind.

Wie Privatanleger die Gewinne eines Crowdinvestings steuerlich geltend machen

Crowdinvesting-Projekte nutzen in der Regel Darlehen von privaten Darlehensgebern als Finanzierungsinstrument. Beliebt sind regelmäßig fest verzinste Darlehen. Sie werden auch Nachrangdarlehen genannt. Es gibt jedoch auch partiarische Darlehen, bei dem die Zinsen vom Gewinn des Crowdinvesting-Projekts abhängig sind. Sie können dementsprechend hoch oder niedrig ausfallen.

Die Erträge aus beiden Darlehensformen werden mit 26,375 % besteuert. Für Privatinvestoren unterscheiden sich aus steuerlicher Sicht die beiden Formen nur dadurch, dass bei Nachrangdarlehen die Zinseinnahmen vom Anleger in seiner Einkommensteuererklärung angegeben, und die Steuern selbst an das Finanzamt gezahlt werden müssen.

Unterscheidung zwischen Nachrangdarlehen und partiarischem Darlehen

Beim partiarischen Darlehen führt der Emittent auf Rechnung des Privatanlegers die Steuern an das Finanzamt ab. Der Anleger muss dann nur in Ausnahmefällen die Zinseinnahmen in seiner Einkommensteuererklärung angeben.

Derzeit prüft der Bundestag noch, ob die Kapitalertragssteuerpflicht auch auf festverzinsliche Darlehen ausgeweitet wird. Dazu ist allerdings noch keine abschließende Entscheidung getroffen.

Wie würde die Unterscheidung zwischen Nachrangdarlehen und partiarischem Darlehen in der Praxis aussehen? Ein Beispiel:

– Anlegerin A bekommt in einem Jahr 2.000 Euro Zinsen ausbezahlt, die sie durch ihre Investitionen in verschiedene Crowdinvesting-Projekte erzielt hat. Darauf bezahlt sie die Abgeltungssteuer in Höhe von 25 Prozent, zuzüglich 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag. Das macht einen effektiven Steuersatz von 26,375 Prozent. Sie muss also 527,50 Euro an Steuern bezahlen. Anlegerin A muss die Kapitalerträge in der Anlage KAP als inländische Kapitalerträge ohne Steuerabzug angeben.

– Ist Anlegerin A dazu noch kirchensteuerpflichtig, kommen zusätzlich in der Regel acht oder neun Prozent Kirchensteuer hinzu. Der effektive Steuersatz liegt dann bei rund 28 Prozent. Bei Zinserträgen von 2.000 Euro pro Jahr muss sie 559,90 Euro an das Finanzamt abführen.

– Bei einem partiarischen Darlehen hätte Anlegerin A nur einen Betrag von 1.427,50 Euro gezahlt. Die Steuern wären bereits abgezogen worden. Eine Angabepflicht in der Steuererklärung besteht nur in Ausnahmefällen.

Können Privatanleger Ausfälle beim Crowdinvesting steuerlich geltend machen?

Nachdem wir uns angeschaut haben, was bei einem erfolgreichen Crowdinvesting auf Privatanleger:innen zukommt, klären wir nun, wie sich die Sachlage verhält, wenn ein Projekt ausfällt. Lassen sich auch Verluste steuerlich geltend machen?

Vonseiten der Behörden gibt es dazu unterschiedliche Auffassungen:

Finanzamt

  • Das Finanzamt hat hierzu klar Stellung bezogen und sagt, dass Verluste aus verzinsten Darlehensforderungen nicht steuerlich geltend gemacht werden können. Im Rahmen der Einkommensteuererklärungen lehnen die Finanzämter derzeit regelmäßig die Berücksichtigung solcher Verluste ab.

Bundesfinanzhof

  • Das oberste deutsche Steuergericht (Bundesfinanzhof) ist anderer Auffassung und positioniert sich dagegen. Es hat in einer jüngeren Entscheidung die Aussage getroffen, dass Verluste im Rahmen der Einkommensteuer aus Einkünften aus Kapitalvermögen geltend gemacht werden können. Sie können deshalb mit anderen Kapitaleinkünften verrechnet werden. Dies gelte insbesondere dann, wenn Forderungen für einen niedrigeren Betrag als den Nennbetrag – aber noch marktgerechten Betrag – verkauft werden. Dies wurde z. B. für den Verkauf wertloser Aktien zugunsten der Anleger entschieden.

Kommt es bei einem Crowdinvesting zu einem Ausfall, sollten Anleger:innen prüfen, ob sie das Darlehen an Dritte verkaufen oder beim Finanzamt die Uneinbringlichkeit geltend machen. Dann würde es zu einer Realisation der Verluste kommen. Für Jahre bis Ende 2019 stehen die Chancen aufgrund mehrerer jüngerer Entscheidungen des Bundesfinanzhofs gut, dass die Verluste mit anderen Kapitaleinkünfte verrechnet werden können, obwohl das Finanzamt dies bisher ablehnt. Betroffene sollten sich zur Durchsetzung der Ansprüche an einen Steuerberater wenden.

Verrechnung von Verlusten: 2020 bringt neue gesetzliche Regelung

Ab dem 01. Januar 2020 wurde jedoch gesetzlich geregelt, dass die Verrechnung von Verlusten mit anderen Kapitaleinkünften aus

  • der ganzen oder teilweisen Uneinbringlichkeit einer Kapitalforderung,
  • der Ausbuchung wertloser Wirtschaftsgüter,
  • aus der Übertragung wertloser Wirtschaftsgüter oder
  • aus einem sonstigen Ausfall von Wirtschaftsgütern.

nur in Höhe von 10.000 Euro erfolgen darf. Darüber hinaus entstandene Verluste können vorgetragen werden und in jedem Jahr mit anderen Einkünften aus Kapitalvermögen im Umfang bis 10.000 Euro verrechnet werden.

Auch sollten Anleger:innen beachten, dass die Verluste nicht von den Banken berücksichtigt werden, da die Verlustberücksichtigungsregelung bei der Kapitalertragsteuer keine Anwendung findet und Banken daher Kapitalertragsteuer abführen, obwohl gegebenenfalls Verluste erwirtschaftet wurden.

Diese Neuregelungen werden von der Fachwelt bereits als verfassungswidrig beurteilt, jedoch gibt es dazu aufgrund der erst zu Beginn des Jahres erfolgten Gesetzesänderung noch keine Entscheidung durch die zuständigen Gerichte.

Können Privatanleger:innen Verluste geltend machen?

Privatanleger:innen können ein Crowdinvesting auch im Rahmen eines steuerlichen Betriebsvermögens durchführen. Das kommt z.B. für Selbstständige oder Ärzte in Frage. Es ist vor allem bei Projekten mit hohem Risiko ratsam, da Anleger im Verlustfall besser vorbereitet sind.

Alternativ können Anleger:innen bei höheren Investitionssummen auch eine Mischung aus Eigenkapitalinvestment und klassischem Crowdinvesting prüfen. Bei richtiger Ausgestaltung werden dann die Zinsen mit dem niedrigen Einkommensteuertarif für Kapitalerträge besteuert. Anleger:innen können den Darlehensausfall als Verlust behandeln und mit anderen Einkünften verrechnen.

Crowdinvesting bei Unternehmen: Diese steuerlichen Regelungen gibt es

Kapitalnehmende Unternehmen (Emittenten) müssen aus steuerlicher Sicht darauf achten, dass – abhängig von der Ausgestaltung der Verzinsung als gewinnabhängig – die Regelungen über den Kapitalertragssteuerabzug beachtet werden. Anleger:innen erhalten in diesem Fall eine entsprechende Steuerbescheinigung. Damit die Kapitalertragsteuer korrekt abgeführt wird, ist eine genaue Datenerhebung wichtig. Insbesondere bei kirchensteuerpflichtigen Anleger:innen muss dies regelmäßig geprüft werden.

Einen freiwilligen Kapitalertragssteuerabzug für Nachrangdarlehen sollten Emittent:innen nicht vornehmen, da es an gesetzlichen Grundlagen fehlt. Folglich würden Steuern an das Finanzamt ohne gesetzlichen Unterbau abgeführt werden. Dies kann Schadensersatzansprüche zur Folge haben. Bei genauer Betrachtung durch die Finanzämter erschwert dies die Erstattung der Kapitalertragsteuer an die Anleger:innen.

Will man aus Unternehmenssicht die Anleger:innen steuerlich besser stellen, ist zu überlegen, die dem Crowdinvesting immanente Fremdkapitalkomponente um klassische Eigenkapitalelemente zu ergänzen, um den Anleger:innen bessere Verlustberücksichtigungen zu bieten. Hier gilt es abzuwägen. Denn Eigenkapitalfinanzierungen sind naturgemäß mit mehr Aufwand und Einschränkungen verbunden.

Fazit: Ist Crowdinvesting steuerfreundlich oder -feindlich?

Grundsätzlich ist die günstige Besteuerung der Zinserträge zu begrüßen und setzt steuerliche Anreize für die Anleger:innen, ein Crowdinvesting zu tätigen. Insoweit ist ein Crowdinvesting steuerfreundlich.

Allerdings sind regelmäßig Nacherklärungspflichten für die Privatanleger geboten, da für die im Crowdinvesting dominierenden Nachrangdarlehen regelmäßig keine Kapitalertragsteuer abgeführt wird. Insoweit ist ein Crowdinvesting steuerlich neutral.

Steuerlich handelt es sich beim Crowdinvesting für Privatanleger:innen in gewisser Weise um ein Schönwettersteuerrecht, da Verluste sehr restriktiv behandelt werden. Privatanleger:innen stehen bei Darlehensausfällen regelmäßig im Regen.

Der vom Bundesfinanzhof gereichte Schutzschirm wird voraussichtlich nicht genügen, sodass Anleger:innen bei Investments sich nicht auf eine steuerliche Berücksichtigung verlassen können. Bei größeren Investments kann es sinnvoll sein, Eigenkapitalkomponenten mit dem klassischen Crowdinvesting zu kombinieren. So wird eine steuerlich bessere Absicherung erreicht.

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