Aus der Nische ins Rampenlicht? Die Zukunft von ELTIFs

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Veröffentlicht am 15. November 2022
Es ist ein Finanzprodukt, das bislang nur wenige kennen: ELTIF. Nach der Reform der EU-Vorschriften dürften ELTIFs aber attraktiver werden – sowohl für Anbieter als auch für Investoren. Was die Vor- und Nachteile dieser Anlageprodukte sind.

Was ist ein ELTIF?

ELTIF ist die Abkürzung von European Long-term Investment Fund. Dahinter steht ein Regelwerk der EU, das bestimmt in welcher Form Finanzprodukte aufgesetzt werden müssen. ELTIFs sollen Privatanlegern Investments in langfristige und damit illiquide Projekte ermöglichen, also in nicht-börsennotierte Anlageobjekte wie Infrastrukturprojekte, Unternehmensbeteiligungen (Private Equity), Immobilien und Fremdkapitalfinanzierungen (Private Debt).

Vom Konzept her ist ein ELTIF ein geschlossener Fonds mit beschränkter Laufzeit. Rechtlich gesehen handelt es sich um einen Alternativen Investmentfonds (AIF).

Mit ihrem 2015 gemachten Vorstoß wollte die EU aber nicht nur Privatanlegern neue, stark regulierte Finanzprodukte erschließen, sondern auch die Investitionslücke in der Infrastruktur überbrücken – die nun durch die Energiewende noch größer geworden ist.

Der ELTIF-Markt kam lange nicht in Schwung, vor allem in Deutschland nicht, dabei können ELTIFs dank EU Passsporting europaweit vertrieben werden. Am bekanntesten dürfte in Deutschland der Commerz Real-Fonds klimaVest sein.

Was war das Problem mit ELTIFs?

Das weitreichende Regelwerk für ELTIFs war bislang so komplex, dass sowohl Anbieter als auch (Privat-) Investoren abgeschreckt wurden. Die Hürden für ein Investment von Privatanlegern seien zu hoch, der Auflege- und Vertriebsprozess zu stark eingeschränkt, wurde im Markt kritisiert. Und außerdem müsse man stärker die Interessen institutioneller Investoren berücksichtigen, auf die viele ELTIFs abzielten.

Was ändert sich durch die ELTIF-Reform?

Die EU reagierte auf die Kritik: Ende Oktober 2022 erzielten die Verhandlungsführenden des Rates und des Europäischen Parlaments eine vorläufige Einigung über eine Reform der Verordnung. Die Änderungen treten neun Monate nach der Veröffentlichung im EU-Amtsblatt in Kraft, also voraussichtlich Ende 2023. Dann soll unter anderem folgendes für ELTIFs gelten:

  • In alle Sachwerte kann investiert werden, wenn diese dank ihrer Eigenheiten und Beschaffenheit bewertbar sind, also unter anderem auch Wasser- oder Forstrechte
  • Immobilien müssen nicht mehr einen konkreten ökonomischen oder sozialen Nutzen vorweisen
  • Das Mindestinvestitionsvolumen für das einzelne Asset im Fonds wird von 10 Mio. auf 1 Mio.€ gesenkt
  • Es kann in AIFs und UCITs und Verbriefungsinstrumente investiert werden
  • Statt 70 % müssen nur noch 60 % des Fondsvolumens in zulässige Assets wie unter anderem Sachwerte investiert werden
  • Ein einzelnes Asset darf bis zu 20% des Fondsvolumens ausmachen statt wie bisher 10%
  • Die Fremdkapitalquote wird von 30% auf 50% angehoben
  • Das aufgenommene Fremdkapital darf auch zur Liquiditätssicherung eingesetzt werden statt nur für konkrete Investitionen
  • Für ELTIF-Fonds, die sich ausschließlich an institutionelle Anleger richten, entfallen zahlreiche Diversifikationsvorgaben, so dass unter anderem auch Ein-Objekt-Fonds möglich sind. Hier ist zudem eine Fremdkapitalquote von 100% erlaubt
  • Eine Mindestanlagesumme pro Anleger gibt es nicht mehr – statt wie früher 10.000 € pro Fonds und das nur für Investoren mit einem Anlagevermögen bis zu 500.000 € Derart ELTIF-spezifische Vertriebs- und Portfoliovorgaben für den Anleger entfallen
  • Zukünftig reicht eine Mifid-II-konforme Beratung durch einen Vertriebspartner
  • Der explizite Warnhinweis für Laufzeiten mit mehr als zehn Jahren bleibt erforderlich

Warum lohnt sich für Investoren nun ein Blick auf ELTIFs?

Investments in Infrastrukturprojekte versprechen Stabilität – und auskömmliche Renditen. Hinzu kommt die Möglichkeit, als Anleger die Energiewende aktiv zu unterstützen. Bei Fonds mit Fokus auf Private Equity wird die Rendite nach Kosten von Experten auf 10 bis 12% geschätzt, bei Infrastruktur auf 5 bis 8% und bei privaten Kreditfonds auf 3 bis 4%– wenngleich derartige Prognosen natürlich immer mit Vorsicht zu genießen sind und vom einzelnen Produkt und dessen Management abhängen.

Zudem sind die Kosten bei ELTIFs geringer als bei vielen anderen Produkten. Nach Beobachtung der Ratingagentur Scope liegen die jährlichen Managementgebühren bei ELTIFs mit einer Mindestinvestitionssumme von weniger als 100.000 Euro zwischen 0,95% und 2,5%.

Worauf sollte man als ELTIF-Investor achten?

Wer ein ELTIF kauft, bindet sein Geld langfristig. Zwar gibt es meist die Möglichkeit einer vorzeitigen Rückgabe. Aber einen Sekundärmarkt gibt es nicht. Und ein direkter Vergleich von ELTIFs untereinander fällt wegen der vielfältigen Anlagestrategien schwer.

Warum lohnt sich für Anbieter und Vertrieb nun ein Blick auf ELTIFs?

Nach der Überarbeitung der strengen Regularien und dem dann herrschenden EU-Standard wird das Auflegen und der Vertrieb der Produkte leichter und günstiger, und die Zahl der potenziellen Kunden durch den Wegfall der Mindestanlagesummen wesentlich größer. Die Vermarktung und der Verkauf wird mithilfe neuer Vertriebsplattformen erleichtert, neue Kundengruppen können erschlossen werden. Denn wenn statt einer Geeignetheitsprüfung lediglich ein Angemessenheitsprüfung notwendig ist, eröffnen sich für den Vertrieb vollkommen neue Möglichkeiten.

Scope hat bereits beobachtet, dass der Markt wächst. Vor allem seit Ende 2021 habe man eine Dynamik in vielen Gesprächen mit Banken und Drittanbietern wie Fondsplattformen beobachtet, hieß es in der Studie.

Die Voraussetzungen für einen zweiten, erfolgversprechenden Anlauf sind also vorhanden.